Fangen wir für den Einstieg hinten an. Ich kenne Menschen die Calum Scotts Cover von und mit Whitney Houstons I wanna Dance with somebody total abfeiern, Tränen vergießen usw.
Und es gibt mich.
Ich habe ein Problem mit Pathetik. Es gibt genau drei Situationen, wo ich dem etwas abgewinnen kann, ja sogar fühle.
- Pierce Brosnan in Mamamia. Ja, ich meine das ernst und ja judge me if you want to. Ich meine das ernst, weil ich den Eindruck habe er nimmt sich selbst nicht ernst und performt dennoch mit vollem Ernst seine Figur.
- Wenn sich halb Köln zu Tommy in den Armen liegt, egal ob in der Kneipe, oder wenn Stadtgeklimper es auf der Ehrenstraße spielt und einfach alle mitsingen, oder wo auch immer Menschen zusammenkommen.
- Fußball. Oder von mir aus auch irgendein anderer Sport.
Nun, vielleicht hätte besser eine andere Person Avenoir von Calum Scott rezensieren sollen, denn wenn eins auf das Album zutrifft, insbesondere die Art des Gesangs, dann Pathetik. Sie tropft aus dem Vinyl und legt sich über alles. Puuhhhhh. Das ist nicht nur bei I wanna Dance with Somebody so, dass scheint DER Topos der Platte zu sein.
Da ich jetzt aber nur aufgrund meinem Verhältnis zur Pathetik keinen Verriss schreiben möchte fangen wir doch mit den positiven Dingen an. Singen kann Calum Scott! Und mit ein bisschen weniger Attitude könnte ich hier ein sehr schönes Pop-Album besprechen. Denn der Beat im Opener „Lighthouse“ macht schon Spaß. Aber der Gesang, bzw die Art und Weise. … Und mit Zeilen wie „I won’t let you go“ catcht Mann, zumindest mich, so garnicht. Eher das Gegenteil ist der Fall. Puhhh.
Schauen wir uns mal die Musik an: die Melodien auf Avenoir sind erwartbar, solide, poppig. Das ist gar nicht so negativ gemeint, wie es vielleicht zu verstehen wäre. Es sind solide Pop-Arrangements. Und es gibt dann doch einen Song auf dem Album, der mir wirklich gefällt. Er geht mehr nach vorne, ist durchaus tanzbar und auch gesanglich ist hier die Pathetik durch eine Leichtigkeit und Freude ersetzt. Das gefällt mir, wieso aber nur der eine Song? BTW er heißt Roots und ich empfehle da mal reinzuhören.
Also ich versuch das alles mal mit einem Satz zusammen zufassen: Mit Avenoir hat Calum Scott ein astreines pathetisches Kuschelpopalbum veröffentlicht.
P.S.Ich finde das Original, also Whitney Houstons I wanna Dance with somebody fantastisch.

