Heute gibt es – mal wieder viel zu spät – eine Review einer bereits länger veröffentlichen Platte. Das tut mir leid aber, wird auch wieder vorkommen. Sorry, geht so sorry. Ich tu was ich kann.
Hier geht es aber nicht um mich und mein schlechtes Zeitmanagement, sondern um „Rituals“ das aktuellste Werk der italienischen Musikerin Charlie Risso. Charlie heißt eigentlich Carlotta und stammt aus Genua, habe ich bisher herausgefunden. Tatsächlich wusste ich vorher wenig bis nichts über sie – außer, dass zufällig einige ihrer Songs immer wieder bei mir im Songradio gelandet sind und ich mich sehr gefreut habe, als die Platte zur Rezi bei uns aufgetaucht ist.
So, genug davon, los zur Musik. Wie schon gesagt ist „Rituals“ das aktuellste und wenn ich richtig gezählte viertes Studioalbum. Das gute Stück ist bereits im April erschienen uns zwar via „sounzone“ (ja, ich habe mich auch gefragt ob sie das „d“ vergessen haben – haben sie nicht. Und ja, ich habe mich auch gefragt ob das ein Label oder ein Streamingdienst oder sonst was ist – eine Antwort habe ich noch nicht gefunden). Auf besagtem Album befinden sich jedenfalls 11 Songs – das ist, finde ich, genau die richtige Menge an Songs um nicht irgendwann in Langeweile abzudriften.
Musikalisch bewegt sich Charlie Risso zwischen diversen Welten – im Internet stehen ganz viele tolle Vergleiche, für die wiederum tolle neue Worte kreiert wurden wie z.B. „Lynch-esque“ oder „Noir-Folk“ – wenn ich sowas lese, habe ich in der Regel gar keinen Bock mehr mir die Platte anzuhören. In diesem Fall habe ich zum Glück erst gehört und dann gelesen.
Auch Pressetexte mag ich überwiegend nicht. Wer aber unbedingt gängige Begriffe braucht um sich orientieren zu können, hier bitte: Für mich bewegt sich Charlie Risso in einer sphärischen Klangblase irgendwo zwischen Wave, Dreampop und Singer/Songwriter. Das Schöne an Blasen (also sowas wie Seifenblasen, nicht die an den Füssen, wenn man schlechte Socken zum Wandern anhatte – wobei die eigentlich auch…naja…) ist, dass sie ihre Form verändern können. Und das kann Chalie Risso mit ihrer Musik – sie verändern. Die 11 Songs bauen für mich nicht klassisch aufeinander auf, wie das gerne mal der Fall ist, sondern erzählen sowohl inhaltlich als auch klanglich, jeder eine eigene Geschichte. Man kann es sich wie ein Buch aus Kurzgeschichten vorstellen – jede Geschichte ist in sich geschlossen, aber thematisch gibt es über das ganze Buch hinweg doch immer wieder Überschneidungen.
Und mit Geschichte meine ich auch genau das. Die Songs erinnern mehr an Soundtracks als an klassische Songs – die Synthis weben einen dicken Klangteppich, der gefühlt vor einem Kühlhaus hängen könnte und nur, wenn man durch ihn hindurchgeht etwas von seiner Kälte verliert. Ich mag das. Kalt, elektronisch, melancholisch, verträumt. Alles an diesem Album klingt introvertiert – hier geht es nicht darum, zu zeigen, wie toll man Musik machen kann. Hier geht es um die Person, die die Musik macht – und das hört und spürt man vom ersten aufsetzen der Nadel bis zur Auslaufrille.
Ich meine, schaut euch das Cover an – Hättet ihr hier fröhliche Gute Laune Mucke erwartet? Nein? Also. Was außen drauf ist, ist auch innen drin. Ich finde Charlie Risso hat hier mit „Rituals“ ein ganz wunderbares, trauriges aber irgendwie trotzdem nicht deprimierendes Album geschrieben. Überhaupt das ganze Paket passt super zusammen, Musik, Texte, Cover – alles absolut schlüssig und in sich stimmig. Empfehlung.
