Boy With Apple aus Göteborg sind eigentlich schon ein bisschen ein Geheimtipp in der Shoegaze/Dream-Pop-Ecke. Die Band gibt’s seit 2019, am Start sind Tim Hedlund (Gitarre), Saga Fransson (Bass, Gesang), Zara Henriksson (Gesang, Synth) und seit Neuestem Jonas Normark an der zweiten Gitarre.
Schlagzeug im klassischen Sinne gibt’s bei der Band gar nicht, stattdessen arbeiten sie viel mit programmierten Rhythmen, die elektronisch und organisch zugleich klingen. Klanglich landet man da schnell bei Vergleichen wie My Bloody Valentine oder Slowdive, was auch nicht ganz falsch ist, aber Boy With Apple haben definitiv ihren eigenen, moderneren Twist drauf. Ihr Debütalbum Attachment kam 2024 raus und wurde damals ziemlich gefeiert. Seitdem hat die Band auch schon auf großen Bühnen gespielt, unter anderem beim SXSW und sogar beim Roskilde Festival.
Jetzt also Navigation, das zweite Album, erschienen im April 2026 über Welfare Sounds & Records. Zwölf Songs, knapp 40 Minuten, komplett selbst aufgenommen und gemixt – nur fürs Mastering gab’s externe Hilfe. Erste Single war „Feeble“, die direkt vor 3000 Leuten bei Roskilde uraufgeführt wurde, was schon zeigt, dass die Band mittlerweile nicht mehr ganz so klein unterwegs ist wie früher.
Inhaltlich geht’s auf Navigation ziemlich viel um Beziehungen, die nicht mehr richtig funktionieren – dieses Gefühl, an etwas festzuhalten, obwohl man eigentlich längst weiß, dass es vorbei ist. Songs wie „Toxic Glue“ und „Feeble“ thematisieren genau das, und eine reine Gute-Laune-Platte ist das Album an keiner Stelle. Klanglich ist das Album angenehm vielseitig: Der Opener „Come Down“ und „Simplicity“ starten eher warm und euphorisch, mit tanzbaren Beats und schwebenden Synths, bevor es zunehmend melancholischer und düsterer wird. Für mich ist das fast eine perfekte „Fenster-auf“-Platte für den Frühling, am besten mit Wind im Zimmer und Sonne im Gesicht – genau dieser Mix aus Leichtigkeit und Schwermut macht für mich den Reiz aus.
Was mir besonders gefällt: Den Sound haben Boy With Apple bewusst etwas roh und lo-fi gehalten, mit viel Hall und Verzerrung, sodass manche Texte regelrecht im Klangbrei verschwinden. Das wird sicher nicht jedem gefallen, aber genau diese Unschärfe gibt der Platte ihre eigene Persönlichkeit, statt im großen Shoegaze-Einheitsbrei unterzugehen. Am Ende geht’s mit „Wherever“ dann sogar Richtung waschechtem My-Bloody-Valentine-Sound, schlagzeuglos und ganz auf sich selbst zurückgezogen. Für mich ist Navigation ein Album, das sich Zeit lässt und das man sich nicht nebenbei reinziehen sollte, sondern wirklich mit Kopfhörern und Ruhe hören muss – dann gibt es aber auch richtig was her.
Das Vinyl scheint es derzeit nur in einer schönen farbigen Variante zu geben. Wer das Album erwerben möchte, kann dies über Bandcamp direkt bei der Band machen. Link dazu folgt:
BOY WITH APPLE – NAVIGATION
Viel Spaß beim Hören und Enrdecken!

