Aus Freiburg kommt eine Band, die ein extrem kitschiges, geradezu Gold-verseuchtes Cover krebsgeschwürartig in meine Augen brennt.
Das Blanke Extrem sind also extrem. Extrem ästethisch. Und die goldenen Gegenstände, die für das wirkliche, echte Artwork fotografiert wurden, könnten deutscher nicht sein. Das Klapphandy, die Goldrandtasse, der Porzellancäsar-Hund, der Porsche, voll ’90er, Alter!
Man sagt, sie machen Post-Punk.
Der erste Song „Die ganze Raserei“ beginnt spannungsgeladen, erinnert an Die Arbeit oder auch Die Sterne (auch einfach wegen des Zitats „was hat mich bloß so ruiniert“).
Indie ist das, kein Post-Punk, finde ich. Obschon die Band etwas das Tempo anzieht, allerdings macht die Western-Melodie eine Biege in eine andere Richtung. Eben: mehr so Indie.
Was ja nicht per se schlecht ist!
Mit dem vierten Song „RAL 7016“ erinnern sie mich daran, warum ich zu einer Zeit, in der ich noch musikalisch mit voller Wucht überrascht werden konnte, plötzlich NDW absorbiert habe. Punk war damals schmutziger und NDW so wunderbar schräg poppig – ich musste das meiste einfach lieben!
Und hier kommt dieser Refrain
„und unter diesen frisch gefegten hofeinfahrten liegt der strand
und hinter euren wohnzimmerjalousien hab ich mich erkannt“
Diese übergroßartige Melancholie und die komplett seltsame Betonung!
Anspieltipp.
Und ich habe das Gefühl, dass sie hier nicht nur andere zitieren, sondern auch sich selbst. Denn ihr Song „Wohnzimmergardinen“ vom ersten Album…. ?
Es ist der letzte Song der ersten Seite und nimmt sich sehr lange 5 Minuten Zeit, doch Das Blanke Extrem ziehen das nun durch.
Etwas zurückgenommener und düsterer dann Seite zwei.
Im Song „Prekär“ geht es dann um diese schlimme Linke Truppe, die ein Leben in einer freien, friedlichen Welt leben möchte, darüber schon seit vielen Jahrzehnten spricht, singt, schreibt. Die Globalisierung, die seit zu langer Zeit für prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse sorgt. Und eben nicht zu dem Wohlstand, den angeblich alle anstreben; das Nicht-Teilen von Ressourcen und Geld. Es führt in Armut und man übertreibt deshalb mit Schichtarbeit und die Nachricht über den weiteren Job, der reinkommt, wird auch noch positiv beantwortet.
Um irgendwie über die Runden zu kommen.
Ja, das klingt sehr reflektiert und ich danke der Band dafür, dass sie das so macht. Denn in der momentanen Zeit gibt es keine einfachen Antworten und die können nerven. Doch die einfachen Antworten sind halt verlogen.
Insgesamt sind neun Songs auf dem Album „Prekär“.
Der Sound harmoniert mit den feinsinnigen Texten.
Ein Video:
Ein Song:
Gibt es bei Flight13 direkt. … und ein paar sehr gute andere Platten auch noch, zwinker.

