Manchmal fallen einem ja die Jugendsünden noch Jahre später auf die Füße. Beispiele möchte ich keine nennen, das wäre zu entlarvend. Außerdem bin ich mir sicher, dass da jede*r was bei sich selbst finden kann. Im Falle der Flensburger Punkrocker Fro-Tee Slips liegt die Jugendsünde – mit Verlaub gesagt – fast schon auf der Hand. Ja richtig! ich mein‘ den Bandnamen. Mal ehrlich, der klingt schon ein bisschen nach Jugendsünde und ja, da die Band bereits seit 1989 existiert, liegt das damalige Alter der Gründerväter quasi auf der Hand und bei mir macht sich die Erwartung einer Spaßpunkband breit, bevor ich das neue Album (VÖ war am 20.03.) „Alter Punk“ überhaupt auf dem Teller habe. Aber Moment mal, widerspricht der Albumtitel nicht so ein klein wenig meiner von Klischeedenken geprägten Erwartungshaltung?
Rein musikalisch könnten die simplen, aber eingängigen Gitarrenmelodien schon ganz gut mit textlich spaßigem Inhalt umgarnt werden. Jedoch schreiben wir inzwischen das Jahr 2026 und Fro-Tee Slips sind zwangsweise, ja oder müssten halt schon irgendwie erwachsen geworden sein, oder?! Und Erwachsene haben i.d.R. – und das folgt dann halt auch einer gewissen Logik – nun mal Lebenserfahrung und idealerweise auch eine gewisse Reife erlangt.
Und so schwelgen Fro-Tee Slips in „Kein Ende In Sicht“ zwar immer noch in den Gedanken, nie was anderes machen zu wollen. Dennoch bedarf diese hier dargestellte Perspektive unbedingt der Erfahrung – und somit der Zeit – dass es so wie es war, mutmaßlich auch weiterhin am besten sein wird. Als Band. Als Fro-Tee Slips. Nicht aber im Großen gedacht, womit wir bei der Reife der Band angekommen wären. Und so prangern Fro-Tee Slips z.B. in „Wir Sind Mehr“ die zeitgeistlichen Missstände dieser Welt an. Trump, Musk, Weidel und Höcke bekommen ihr Fett weg. Da muss ich den Inhalt doch hier nicht wirklich wiedergeben, oder? Guter Song, in einfacher aber dennoch deutlicher und v.a. erwachsener Sprache verfasst.
Ja! Und so ist das dann halt mit Fro-Tee Slips in 2026. Auch ohne dass ich den bisherigen Backkatalog kenne, kann ich doch sagen, dass „Alter Punk“ im wahrsten Sinne des Wortes ein „reifes“ Deutschpunk-Album ist und womöglich sind die Flensburger zusammen mit WIZO und ZSK gewachsen und groß geworden, um sich spätestens jetzt dem Ernst des Lebens und der Lage stellen zu können.
Übrigens: eine Erklärung dazu, wie es 1989 nun tatsächlich zur Namensgebung kam, gibt es auf Discogs. Und wenn ich ehrlich bin, das ist schon ’ne ganz lustige Geschichte, so ganz nach meinem Gusto. Kommt schon, auch Erwachsene dürfen doch auch noch über den Kinderkram lachen, oder? Manchmal wenigstens, sonst wird’s irgendwie doof und ich möchte gerne Benjamin Button sein!
„Alter Punk“ erschien auf dem – so wie ich das verstehe – bandeigenen Label Kneipenkasper Records, ist auf 300 Stück limitiert und wunderschön pink, kommt im Gatefold und ist dann wohl am besten direkt bei Fro-Tee Slips zu haben.

