Stories from the Upside Down ist kein Album, das sich dem Hörer anbiedert. Es ist eher eine leise, manchmal spröde Einladung, sich auf eine sehr persönliche Perspektive einzulassen – eine, die zwischen Melancholie, Widerstand und stiller Beobachtung pendelt. Und wer gedacht hat eine Brücke zu Stranger Things schlagen zu können, der/die wird enttäuscht sein.
Joe Astray bewegt sich bewusst abseits gängiger Produktionsstandards und entscheidet sich für einen rohen, unmittelbaren Sound, der weniger auf Perfektion als auf Glaubwürdigkeit setzt. Genau darin liegt eine der größten Stärken der Platte. Musikalisch bleibt das Album genauso wie sein auch von mir rezensierter Vorgänger Reconstruction weiterhin reduziert. Akustische Strukturen dominieren, oft getragen von einer Gitarre, die mehr Atmosphäre als Virtuosität liefert. Die Arrangements wirken bewusst zurückgenommen, fast skizzenhaft, was den Fokus stark auf die Stimme und vor allem auf die Texte lenkt. Diese sind das eigentliche Zentrum des Albums: reflektiert, stellenweise politisch, aber nie platt. Statt klarer Parolen findet man eher Fragmente von Gedanken, Momentaufnahmen und leise formulierte Kritik. Astray scheint weniger daran interessiert zu sein, Antworten zu geben, als vielmehr Fragen aufzuwerfen.
Allerdings ist diese Konsequenz auch eine Hürde. Wer nach eingängigen Melodien oder klaren Höhepunkten sucht, wird hier nur bedingt fündig. Das Album entfaltet seine Wirkung nicht sofort, sondern eher schleichend. Es verlangt Aufmerksamkeit und eine gewisse Bereitschaft, sich auf Wiederholungen einzulassen. Gerade dadurch kann es aber eine erstaunliche Tiefe entwickeln, die sich erst mit der Zeit erschließt. Und ich muss ehrlich gestehen, das ich auch einige Anläufe auf dem Weg zur Arbeit und von der Arbeit nach Hause gebraucht habe – da allerdings ohne Vinyl.
Insgesamt wirkt Stories from the Upside Down wie ein bewusst gegen den Strom produziertes Werk. Es ist kein Album für den schnellen Konsum, sondern eines, das in ruhigen Momenten seine Stärken ausspielt. Joe Astray gelingt es, eine dichte, introspektive Atmosphäre zu schaffen, die vor allem durch ihre Ehrlichkeit überzeugt. Auch wenn es musikalisch nicht immer über sich hinauswächst, bleibt ein Eindruck von Konsequenz und künstlerischer Integrität. Wer sich darauf einlässt, wird kein perfektes, aber ein bemerkenswert aufrichtiges Album entdecken.
Erwerben könnt ihr das wirklich schicke Teil (oder auch in schwarz) bei La Pochette Surprise Records über den folgenden Link:
JOE ASTRAY – STORIES FROM THE UPSIDE DOWN

