Gleich vorweg: Wer bei einem Albumtitel wie “War” Kriegsgetrommel und Dauerpathos erwartet, liegt nur halb richtig. Der Schwede Lars Bygdén meint mit dem Titel zwar auch echte Konflikte, vor allem aber den Kampf zwischen Vernunft und Gefühl, Wissen und Ignoranz, Gut und Böse. Klingt nach schwerer Kost, und ja, das ist es auch. Aber es hat Schwung.
Lars Bygdén ist in Schweden längst eine feste Größe: Mit seiner Band The Thousand Dollar Playboys hat er in den Neunzigern den Alt-Country fast im Alleingang ins Land gebracht, später folgte die Solokarriere, und mit “Dark Companion” (2018) und “One Last Time For Love” (2022) hat er den Tod seiner Frau verarbeitet. “War” ist nun sein erstes Studioalbum seit diesem Trauerwerk, und es schaut bewusst nach draußen statt ins Innere seines Ichs. Der Auslöser dafür: ein Lehrer namens Dan an der Folkhögskola in Fränsta, der Anfang der Neunziger meinte, gesellschaftliche Entwicklungen seien nicht in Stein gemeißelt. Mehr als drei Jahrzehnte später greift Lars Bygdén diesen Gedanken auf.
Und dann ist da diese Stimme. Bygdén singt nicht im klassischen Sinne, er raunt, nuschelt und zittert sich durch die Songs, leicht nasal und unverkennbar. Wer einen Vergleich braucht: Johnny Cash nach dem zweiten Whiskey trifft es ziemlich gut. Nicht jedes Wort ist verständlich, aber das ist hier eher Charakter als Makel. Wenn dazu dunkle Akustikgitarren schleichen, lugt sogar ein bisschen Leonard Cohen um die Ecke, und in den wuchtigeren Momenten darf man an Neil Youngs dreckigen Desert-Rock denken.
Musikalisch bleibt er seinem Americana-trifft-Nordic-Folk-Fundament treu, neu ist die Zugabe analoger und elektronischer Elemente. Dafür sorgt Produzent Ola Gustafsson (bekannt von Lars Winnerbäck und Melissa Horn), der bei den Aufnahmen im Stockholmer Studio Atlantis erstmals eng mit Bygdén zusammenarbeitete. Der Opener “Little Things” ist zurückhaltend, mit Hall auf der Stimme und scheuen Synthie-Tupfern, der Titelsong dagegen fährt auf: Slide-Gitarre, hastige Drums, spanisch angehauchte Akkorde und Mehrstimmigkeit, die fast nach Queen klingt. Bombastisch, ohne aufgesetzt zu wirken. “Highway” überrascht mit Four-on-the-Floor-Beat unterm Cowboyhut, während “My Marie” persönlich bleibt, anders als die meisten politisch-gesellschaftlichen Stücke.
Insgesamt acht Songs, meist ruhig und melancholisch, mal überraschend tanzbar, zum Schluss sogar ein bisschen unheimlich. Wer Americana mit eigenem Kopf, einer Whiskey-Stimme und Achtziger-Synthies als Gewürz mag, bekommt hier ein raues, ehrliches Album für dunkle Zeiten. Perfekt poliert ist es nicht, aber das passt zum Thema.
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LARS BYGDÉN – WAR
Viel Spaß beim Hören und Entdecken!

