Die singenden Zikaden aus Berlin melden sich zurück, und diesmal machen sie es sich und uns nicht leicht. Das selbstbetitelte Album 13YC, erschienen am 17.07.2026, besteht aus gerade mal vier Stücken. Zusammen laufen sie aber über 34 Minuten, allein der Opener „Mirror“ dauert mehr als zehn.
Wer wie ich schon bei „Haha Gravity“ genauer hingehört hat, kennt die Ausgangslage. Damals hatte ich geschrieben, dass das Trio gereift ist und seine Musik nicht mehr ganz so weird klingt wie auf den ersten Alben. Neun Tracks standen auf dem Album, vom wummernden Pop-Stück “Building” bis zu den flirrenden Klängen von “Gravity”. Es war harte Kost, die man sich erarbeiten musste, aber jedes Hören brachte etwas Neues. Mit „13YC“ gehen Zooey Agro (Keys, Gesang), Hotti Böhm (Bass) und Philip Theurer (Drums) diesen Weg konsequent weiter. Aus der Vielfalt von damals wird Reduktion. Die Band zerlegt ihren Sound in Grundbausteine, schleift sie ab und setzt sie neu zusammen.
Das Ergebnis ist archaisch und fast hypnotisch. Ein monotoner Dauerton steht am Anfang, dann blüht er plötzlich auf und entfaltet sich zu einer Melodie. Was zunächst nach Stillstand klingt, ist in Wahrheit ständige Veränderung. Die Musik soll hier nicht unterhalten, sondern Zeit erschaffen, und das gelingt 13 Year Cicada auf ihrem vierten Album besser als je zuvor. Beats mit Kraut-Einschlag, Jazz-Einflüsse, Post-Punk-Kühle und ein Hauch R&B ergeben einen Sog, der sich nicht abschütteln lässt. Der Gesang bleibt dabei zurückhaltend, fast beiläufig, und Wiederholung ist hier keine Schwäche, sondern das Prinzip.
Für Gelegenheitshörer ist das gewöhnungsbedürftig, und ich habe auch Verständnis, wenn jemand nach den ersten Minuten abschaltet. Wer sich aber darauf einlässt, wird belohnt. Die Band verzichtet bewusst auf Zugänglichkeit und setzt stattdessen auf Eingängigkeit, und das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Gesteigert werden kann diese Wirkung vermutlich nur durch ein kollektives Erlebnis, also live. Die Gelegenheit gibt es am 30.10.2026 bei der Release-Show in der Neue Zukunft Berlin, gemeinsam mit Team Work.
Aufgenommen und gemischt hat die Platte Ariel Schlichter, der die Band schon lange begleitet. Das Artwork stammt von Marina Sylla. Veröffentlicht wird „13YC“ von den Labels, die 13 Year Cicada seit Jahren die Treue halten: Gandula aus Spanien, tomatenplatten und subsidized time aus Berlin.
„13YC“ ist kein Album für nebenbei. Es verlangt Geduld, Zeit und Aufmerksamkeit, belohnt aber jede*n, der sie mitbringt. Aus Weirdo-Musik ist Musik geworden, die ihre Eigenheiten nicht mehr betonen muss. Sie ist einfach da, ruhig, stetig und nie behaglich.
Viel Spaß beim Hören und Entdecken.
Erwerben könnt ihr das Album über den folgenden Link:
13 Year Cicada – 13YC
