Als das Album in der Vinylkeks Redaktion zum Review ausgeschrieben war, habe ich ganz kurz in die ersten beiden Songs reingehört. Eigentlich nur, um einen ersten Eindruck zu bekommen und gedacht: Tom, versuch dich daran, denn bereits diese wenigen Minuten haben mir gezeigt, dass „What If“ kein Album für den schnellen Durchlauf sein möchte, es will seine Geschichte erzählen.
Schon der Einstieg in das Album zeigt, es geht bei „What If“ nicht um schnelle Antworten, sondern um Fragen, die sich einem stellen. Was wäre, wenn heute die Sonne scheint? Bin ich dann für einen Moment von Euphorie gepackt? Was wäre, wenn der Regen kommt? Bin ich dann melancholischer als gestern? Was, wenn es den ganzen Tag ein Wechselspiel zwischen Regen und Sonnenschein ist? Schlägt das eine Gefühl schnell ins andere um und wieder zurück? MAIIJA gibt darauf keine fertigen Antworten, sondern schafft einen Platz, an dem diese Gedanken existieren dürfen.
MAIIJA – Recover
Die persönlichen Erfahrungen von Marilies Jagsch bilden den Kern der Platte. Themen wie Krankheit, Zweifel und Heilung werden nicht nur individuell erzählt, sondern bekommen eine universelle Bedeutung. Das macht das Album besonders zugänglich, denn viele Menschen tragen ihre eigenen Geschichten und Herausforderungen mit sich und genau dort entsteht aus meiner Sicht auch die Verbindung zwischen dem Album und dem hören.
Musikalisch lebt „What If“ von einer besonderen Form der Zurückhaltung. Das Album muss dabei nicht laut sein, um seine Wirkung zu entfalten. Gitarren, elektronische Elemente, Schlagzeug, Cello und weitere Instrumente bilden eine fein abgestimmte Klangwelt, in der jeder Ton seinen Platz findet.
Im Mittelpunkt steht die Stimme von MAIIJA, die gleichzeitig stark und zerbrechlich, nahbar und voller Spannung ist. Das verstärkt aus meiner Sicht die emotionale Tiefe.
„What If“ gibt sich somit als geschlossenes Werk und funktioniert auch so. Der Einstieg mit „Anticipate“ und der Abschluss mit „Reconsider“ wirken wie Anfang und Ende einer inneren Reise. Dazwischen bewegt sich das Album zwischen Vertrauen, Widerstand, Reflexion und der Suche nach Halt.
Die passende Stimmungslage für dieses Album? Lege es in einem ruhigen Moment auf, denn es ist definitiv kein Album, um es nebenbei bei der Arbeit zu hören. Nimm dir also die Zeit dafür, das Album hat es verdient.
„What If“ ist also ein Album für alle, die bereit sind zuzuhören. MAIIJA schafft eine ruhige, ehrliche und intensive Reise zu sich selbst. Und wer diese Reise annimmt, bekommt ein Werk, das lange nachwirkt.
Erschienen ist das Album als Vinyl (unter NOISE240) und CD (unter NOISE239) auf Noise Appeal Records. Erhältlich ist es im Labelshop von Noise Appeal Records, deinem Local und natürlich bei gängigen Shops wie JPC, Deejay und weiteren Plattformen.

