Ich gebe zu, Stoner- und Psychedelic-Rock ist nicht mein Lieblingsmusikgenre. Schwere, fuzzgetränkte Gitarrenriffs, druckvolle Basslinien und hypnotische Schlagzeug-Grooves, da muss ich schon in Stimmung sein. Gut finde ich die charakteristischen warmen, oft leicht übersteuerte Gitarrensounds mit Solopassagen und sich wiederholenden Riffstrukturen. Dadurch kann eine dichte, teilweise tranceartige Atmosphäre entstehen, die ihre Wurzeln im Hard Rock der 1970er-Jahre ebenso hat wie im modernen Alternative- und Desert-Rock. Viele Bands verbinden wuchtige Riffs mit eingängigen Refrains und klaren Songstrukturen. Darauf hoffe ich, denn das Ergebnis ist meist ein Sound, der gleichzeitig roh und unmittelbar wirkt, aber dennoch genügend Raum für Dynamik und psychedelische Klänge lässt.
Das Album
Mit ihrem selbstbetitelten Album „Major“ verspricht die Band Major ein Werk, das genau in dieser musikalischen Schnittmenge angesiedelt ist. Die Platte soll treibenden Hard Rock mit psychedelischen Elementen und einem ausgeprägten Stoner-Groove verbinden.
Veröffentlicht wurde „Major“ zunächst digital am 24. April 2025. Die Vinyl-Edition erschien am 14. September 2025 über das Label Clostridium Records. Neben den digitalen Formaten ist das Album auch als Vinyl-LP (unter anderem als farbige Pressung) erhältlich. Die Vinyl-LP lag mir auch zur Rezension vor und die macht optisch echt was her.
Mit einer Spielzeit von rund 38 Minuten bietet das Album zehn Songs.
Die Songs
Venus
Ein grooviger Rocksong mit markanter Hookline. Der Track überzeugt durch sein dynamisches Zusammenspiel von Bass und Gitarre. Passend dazu die Lyrics, die eine mystische, fast übernatürliche Verbindung zu einer Person, die wie ein gefallener Engel oder geheimnisvoller Verbündeter wirkt beschreiben. Diese Beziehung ist gleichzeitig schön, düster und spirituell. Ein passender Starter ins Album, wobei ich persönlich eher das zweite Lied der Platte als Starter gewählt hätte.
Das Lied hat treibende Gitarren, einen druckvollen Rhythmus und ein eingängiger Refrain sorgen für viel Energie. Inhaltlich handelt es sich um einen futuristischen Song über eine Reise durch den Weltraum und durch die Zeit. Das lyrische Wir sieht sich als Kinder der Sonne, die sich von nichts aufhalten lassen. Träume, Freiheit und Abenteuer treiben sie an, während Vergangenheit und Zukunft miteinander verschmelzen. Musik und Text passen hervorragend zueinander.
Prayer to the Sun
Leicht psychedelisch angehaucht, mit einem hypnotischen Groove und atmosphärischen Gitarrenflächen. Inhaltlich geht es passenderweise um einen tiefen Schmerz, den die Sonne dem lyrischen Ich nehmen soll. Gleichzeitig soll das Licht der Sonne aber auch die Seele des lyrischen Ichs erleuchten.
Black Madonna
Düster und schwer – hier dominieren massive Riffs und eine leicht mystische Stimmung, die dem Titel zusätzliche Tiefe verleiht. Wieder geht es um Unterstützung aus übernatürlicher Richtung. Die schwarze Madonna soll das lyrische Ich leiten und lebendig fühlen lassen. Einer meiner Lieblingstitel, da ich gerade das mystische sehr gern mag.
Breaking Down
Kurz und direkt: ein rauer, energiegeladener Track, der die rohe Seite der Band betont. Darin wird vor allen Dingen Unverwüstlichkeit heraufbeschworen und das trotz Druck. Die Musik überwiegt hier deutlich und trägt den Song mehr als der Text es tut.
Final Call
Eine kompakte, geradlinige Rocknummer, die besonders durch ihre rhythmische Präzision besticht. Textlich ein düsterer, apokalyptischer Song voller Angst, Dämonen und Chaos. Die Zeit läuft rückwärts und das Ende scheint nahe. Trotzdem muss man sich diesem Ende stellen.
Gimme Some More
Ein klassischer Stoner-Rock-Track mit kräftigem Fuzz-Sound und treibender Energie. Insgesamt sehr flott und auf den Konzerten sicher richtig beliebt zum Abgehen. Textlich wird auch gefordert noch mehr zu geben und eben abzugehen.
Graveyard
Dunkle, leicht melancholische Stimmung trifft auf ein markantes Riff – einer der charakterstärkeren Songs des Albums. Gesanglich der melodischste Song mit einem sehr melancholischen Blick nach vorne.
Broken Sky
Atmosphärischer und etwas langsamer angelegt. Der Song lebt von seiner dichten Stimmung und den schweren Gitarren. Dazu passt auch der melancholische Inhalt über eine zerbrochene Liebe. Früher war die Beziehung voller Schönheit und Hoffnung, doch jetzt ist sie erkaltet und vergeht in einer trostlosen Welt. Am Ende bleibt nur Abschied unter einem gebrochenen Himmel.
Golden Cage
Der abschließende Track verbindet melodische Passagen mit schweren Gitarren und rundet das Album stimmungsvoll ab. Bei dem Song schwingt inhaltlich die Frage mit, ob wir den goldenen Käfig, in dem wir leben, jemals verlassen können oder ob ihn einige überhaupt verlassen wollen. Gesellschaftskritik, wie man sie von anderen Genres eher kennt, aber gut gemacht,
Fazit
„Major“ überzeugt als kompaktes, kraftvolles Rockalbum, das seine Stärken vor allem in den riffbetonten Songs und der authentischen Produktion ausspielt. Die Mischung aus Stoner-Groove, Hard-Rock-Dynamik und psychedelischer Atmosphäre sorgt dafür, dass die Platte sowohl eingängig als auch klanglich vielschichtig bleibt, gleichermaßen druckvoll wie melodisch wirkt und sich besonders durch seine unmittelbare Energie auszeichnet. Vor allem Fans von fuzzlastigem, analog klingendem Rock dürften hier auf ihre Kosten kommen. Das Album wirkt wie aus einem Guss, transportiert viel Live-Energie und zeigt, dass klassische Rock-Elemente auch heute noch mit frischem Druck funktionieren können.
Zuschlagen könnt ihr übrigens direkt bei der Band und bei Clostridium Records.

