Keine Ahnung, wann ich das letzte Mal extra für ein Konzert in die bajuvarische Landeshauptstadt gefahren bin. Vermutlich gab’s da noch Schwarz-Weiß-Fernsehen und ich glaube, es ging damals um die Deftones. War jedenfalls zusammen mit einer dreistelligen Anzahl an Fans dort. In einem kleineren Club, im Zweifelsfall sogar in einem der Backstage-Konzerträume, wohingegen die Band um Chino Moreno jüngst in Stuttgarts Hanns-Martin-Schleyer-Halle gespielt hat. Größer geht in der schwäbischen Hauptstadt nur Open Air. Aber: das ist eine andere Geschichte, die ich euch ggf. noch erzählen werde und wichtig daran ist eigentlich nur… ach eigentlich gar nichts, außer dass ich halt schon lange nicht mehr in München auf einem Konzert war.
Dieses Mal aber, das ging nicht anders, denn eine meiner, wenn nicht gar DIE Lieblingsband der Stunde trat auf und näher als die 200km kamen sie halt einfach nicht an mich ran. Es wurde nichts dem Zufall überlassen: zwei Hardtickets schon lange im Voraus bestellt. Nix da unnötiges Risiko an der Abendkasse. Früh genug den Homer Simpson, ich schmeiß das Plutonium über die Schulter bei der Arbeit gemacht (inkl. Diensthandy aus, versteht sich!). Sogar passable Winterreifen waren auf der Karre, schließlich ging’s über die Alb!
So. Und wofür und für wen das Ganze? Tadaaa, natürlich für Militarie Gun aus L.A.! Die Band mit dem bescheuertsten Namen seit J.B.O. macht halt einfach so verdammt geile Mucke zwischen Oasis und Title Fight (ja, das meine ich wirklich ernst!) und mit ihrem erst kürzlich veröffentlichten Album „God Save The Gun“ haben sie es nicht nur in meine Top 3 2025, sondern auch straight in mein Musikherz geschafft. Selten hat eine musikalische Neuentdeckung von Beginn an für so viel Nachhaltigkeit bei mir gesorgt. Da bin ich mir jetzt auch schon sicher, sonst wär’s ja doch nicht nachhaltig. Hä?! Na egal! Jedenfalls jetzt endlich ab nach München.
Die Fahrt verlief erstaunlich reibungslos auf der Baustelle für die Ewigkeit, offiziell auch als A8 bekannt. Parkplatz direkt vor dem Venue, das muss alles eine rock’n’roll-göttliche Vorhersehung sein. Rein ins Backstage, viel mehr den Backstage-Komplex und ich war hier auch schon mal. Kann mich jedenfalls dunkel dran erinnern. Trotzdem müssen wir uns erst mal durch das Labyrinth durchfragen und geraten zu diesem Zweck auch gleich an den Richtigen, nämlich den Garderobier. Dieser erklärt uns ausschweifend und äußerst charmant das Wirrwarr und was man hier schon so alles erlebt habe. Hach, wenn das so ist, dann nehmen Sie doch bitte gleich mal unsere Jacken entgegen. Das gönnen wir uns heute! Nachdem Mister Garderobier uns dann final noch über sein kommendes Tattoo-Vorhaben informiert hat, für das er dezent, aber zielstrebig sein Trinkgeldsparschwein geschwenkt hat, kommen wir dann auch endlich fast pünktlich in den vergleichsweise kleinen Backstage Club.
Ach ja, da war ich auch mal. Fällt mir da auf. Bei Flogging Molly und auch schon vor tausend Jahren. Damals war aber weniger los als heute. Der Club ist mit geschätzt (aber da bin ich wirklich schlecht drin) 200 Nasen angenehm gefüllt, aber nicht überfüllt. Tolle Atmosphäre, jetzt schon und mit fast pünktlich, meine ich, dass wir immerhin noch den letzten Song der aus Montreal stammenden Support-Band Spite House miterleben dürfen. Hä? Wie das nun? Eigentlich lief doch alles wie am Schnürchen?! Schade eigentlich, denn was wir so gehört und gesehen haben, war gut und auch nicht random mit Militarie Gun zusammen über den großen Teich geschickt.
Dann halt wenigstens kurz ein Bierchen geholt und den Merch observiert. Hab‘ ein Shirt erspäht, das ich haben will und gemessen an den Preisen, die heutzutage so abgerufen werden, ist das hier auch fast geschenkt. Geil! Fühl mich wie ein Teenager, wie damals bei den Deftones halt!
Dauert auch gar nicht lange, also eigentlich geradezu unverschämt kurz, bis Militarie Gun dann ihr Set eröffnen. Bisschen leise vielleicht und, wie sich herausstellen sollte, leider auch gar nicht so gut abgemischt. Oh oh! Wenn das mal kein Reinfall wird?! Nee, keine Sorge. Wird’s nicht! Die Songs des Quintetts sind einfach zu gut, als dass sie der Praktikant am Pult versauen könnte! Wir feiern das und es werden jede Menge Glückshormone produziert. Im Zweifelsfall würde ich sagen, wohl am ehesten Serotonin und auch Dopamin, nach all den Umständen, jetzt endlich hier stehen zu dürfen und diese, meine (aktuelle) Lieblingsband erleben zu können.
Meinen Fave-Song „God Owes Me Money“ verbraten Militarie Gun zwar schon fast unverschämt früh, aber Aussetzer gibt es eh keine. Zu gut ist das Material. Einzig als Mastermind Ian Shelton selbst zur Akuklampfe greift, droht es kurz minimal belangloser zu werden und da wäre jetzt ein bissi ein besserer Sound schon ungemein hilfreich gewesen. Aber Militarie Gun lassen sich da nichts anmerken, sondern freuen sich vielmehr, dass sie hier in Deutschland so lange Sets spielen können, da in den Staaten niemand länger als eine halbe Stunde an einer Band interessiert sei. Offensichtlich geistern die Deppen dort nicht nur auf dem privaten Golfplatz rum! Nur eine halbe Stunde Militarie Gun?! Ihr habt sie doch nicht mehr alle! Von mir aus kann die Band hier bis zum Morgengrauen aufspielen!
Letztlich sind es dann wohl so rund 20 bis 21 Songs, je nachdem, ob man den Opener, der auch als Finale noch mal ran muss („BADIDEA“) ein- oder zweimal zählen lässt. Die Show selbst: herrlich unaufgeregt und vielleicht auch gerade deshalb spannend, erwartet man von einer Band, die „offiziell“ dem Hardcore zugeschrieben wird, i. d. R. ein bisschen mehr Sport auf der Bühne. Ich jedenfalls mag die Aura, die von der Bühne aus ausgestrahlt wird. War aber auch klar, dass mich Militarie Gun gar nicht erst enttäuschen können.
Konzert rum und deshalb umgedreht – steht doch glatt und sauber der Janosch da. Ja, er sei hier die ganze Zeit gestanden und nein, er habe uns von hinten nicht erkannt und ja, es sei ja auch klar, dass ihr hinten keine Augen habt. Egal, denn während des Konzerts hätte ich mir es heute eh verbitten lassen, durch Gespräche irgendeiner Art gestört zu werden. Quatschen wir halt jetzt noch ein bisschen bei einem Kippchen und ’ner Cola, bevor wir uns auf eine abermals völlig staufreie Rückfahrt machen. 00:30 Uhr und wir sind wieder daheim. Mal ehrlich, früher wären wir an einem Donnerstagabend doch eh nicht ins Bett gegangen!

