Weiter geht die kleine Tape Reise mit einem Album, das bei Mr. Review definitiv zu den großen Nummern gehört, „Lock, Stock & Barrel“. Ursprünglich 1994 erschienen, liegt mir jetzt die 2026er Tape Ausgabe von Black Butcher Classics vor. Und wer schon bei „XXV“ gemerkt hat, dass Mr. Review bei mir offene Türen einrennen, dürfte ahnen, dass auch dieses Tape nicht lange unbeachtet im Regal stehen bleibt. Schon der erste Ton macht ziemlich unmissverständlich klar, wohin die Reise geht, „One Way Ticket“. Und was für ein Einstieg! Für mich ist das nicht einfach nur irgendein Opener, sondern einer dieser Songs, bei denen der Skank praktisch von alleine einsetzt. Der Groove sitzt, die Melodie bleibt im Kopf und nach wenigen Takten ist klar, hier wird nicht lange gefackelt. Danach geht es mit „The Girl Is Money“ weiter, bevor „Red Stripe Skank“ um die Ecke kommt. Und spätestens hier wird es schwierig, ruhig sitzen zu bleiben. Der Titel ist eigentlich schon Programm und musikalisch liefert der Song genau das, was ich von gutem Ska hören möchte. Ordentlich Bewegung, eine lässige Portion Coolness und diesen ganz speziellen Rhythmus, der einem unweigerlich in die Beine fährt.
„Remote Control“ hält das Niveau problemlos, bevor mit „Rudeboy’s Rhapsody“ mein nächster persönlicher Favorit folgt. Der Song hat für mich genau diese Mischung aus Melodie und Druck, die Mr. Review so verdammt gut beherrschen. Das ist kein Ska, der einfach nur im Hintergrund vor sich hin dudelt. Da passiert etwas und zwar ziemlich direkt in den Beinen. Auch „Rainy Day“ zeigt, dass „Lock, Stock & Barrel“ nicht ausschließlich auf Vollgas und Tanzfläche setzt. Das Album darf zwischendurch auch mal etwas ruhiger werden, ohne dabei seine Identität zu verlieren. Auf der B Seite wartet dann mit „Prejudice“ mein vierter Favorit. Ein Song, der nicht nur musikalisch überzeugt, sondern auch inhaltlich eine klare Kante zeigt. Gerade solche Stücke machen ein Album für mich interessanter, weil hier eben nicht nur der nächste Ska Hit abgefeuert wird, sondern auch etwas hängen bleibt.
Danach geht es mit „Probation“, „Hawaii 5-0“, „Together Too Long“, „Everyday, Another Day“ und „Summertime“ weiter. Und ja, auch wenn meine persönlichen Favoriten inzwischen ziemlich eindeutig feststehen, funktioniert das Album als Ganzes erstaunlich geschlossen. Besonders schön finde ich dabei, dass Mr. Review ihren Ska nicht unnötig kompliziert machen. Hier wird nicht versucht, aus drei Akkorden eine wissenschaftliche Abhandlung zu basteln. Es groovt, es skankt und es macht verdammt viel Spaß. Gleichzeitig steckt genügend musikalische Abwechslung drin, damit nach dem fünften Song nicht der Eindruck entsteht, man würde immer wieder denselben Track hören. Und genau deshalb funktioniert „Lock, Stock & Barrel“ für mich auch heute noch so gut. Das Album ist mittlerweile über drei Jahrzehnte alt, klingt aber nicht nach einem Stück Musikgeschichte, das man ehrfürchtig ins Regal stellt und nur alle fünf Jahre entstaubt. Im Gegenteil, das Ding will gespielt werden.
Dass Black Butcher Classics das Album nun wieder als Tape herausbringt, passt für mich dabei ziemlich gut. Kassette rein, Play drücken, zurücklehnen, wobei das mit dem Zurücklehnen vermutlich spätestens bei „One Way Ticket“ erledigt ist. Meine persönlichen Höhepunkte sind ganz klar „One Way Ticket“, „Red Stripe Skank“, „Rudeboy’s Rhapsody“ und „Prejudice“. Aber letztlich ist „Lock, Stock & Barrel“ eines dieser Alben, bei denen die Favoriten eigentlich nur die Speerspitze eines ziemlich starken Gesamtpakets sind. Mr. Review zeigen hier sehr schön, warum sie zu den wichtigen Namen der europäischen Ska Szene gehören. Groove, Melodie, Haltung und genug Energie für eine komplett durchgetanzte Nacht. Was will man mehr? Also Tape ins Deck, Lautstärke hoch und ab dafür. One Way Ticket? Ich bin dabei.
Das blaue Tape, könnt ihr bei Mad Butcher Records direkt ordern.

