The Lamplighters stammen aus Köthen in Sachsen-Anhalt und stehen seit einigen Jahren für melodischen Punkrock, der sich weder in Schubladen pressen noch auf bloße Nostalgie reduzieren lässt. Statt auf Hochglanzproduktionen oder kurzlebige Trends setzt das Quartett auf ehrliche Songs, die von eingängigen Melodien, rauer Energie und einer spürbaren DIY-Mentalität leben. Für ihr aktuelles Album hat sich die Band zudem ein besonderes Veröffentlichungsformat ausgesucht. Anstelle einer klassischen LP erscheint das komplette Werk verteilt auf vier farbige 7″ Singles. Das macht nicht nur optisch etwas her, sondern sorgt auch dafür, dass jede einzelne Scheibe ihre eigene Wirkung entfalten kann. Mir liegen bislang die cyanfarbene und die blaue Ausgabe vor. Schon diese ersten beiden Teile machen deutlich, dass hinter dem Konzept deutlich mehr steckt als eine nette Idee für Vinylsammler.
Die cyanfarbene 7″ eröffnet das Album mit „Walk on the Moon“ und „Poison“. Dabei wird vom ersten Moment an klar, wohin die Reise geht. „Walk on the Moon“ besitzt genau die Mischung aus Druck und Melodie, die guten Punkrock auszeichnet. Die Gitarren schieben den Song konsequent nach vorne, das Schlagzeug hält das Tempo hoch und der Refrain bleibt erstaunlich schnell im Kopf. Trotzdem wirkt nichts kalkuliert oder auf maximale Eingängigkeit getrimmt. Vielmehr entsteht der Eindruck einer Band, die genau weiß, wann sie Gas geben und wann sie ihren Songs etwas Luft zum Atmen lassen muss. Gerade diese Natürlichkeit macht den Opener so sympathisch. Mit „Poison“ folgt anschließend die etwas rauere Seite der Band. Der Song wirkt kantiger, emotional dichter und entwickelt eine spürbar intensivere Atmosphäre. Ohne die melodischen Wurzeln zu verlassen, legen The Lamplighters hier noch eine Schippe Energie nach. Besonders gefällt das Zusammenspiel der Gitarren, die sich immer wieder kleine Freiräume schaffen, während Bass und Schlagzeug das Fundament souverän zusammenhalten. Dadurch entsteht ein Sound, der lebendig bleibt und sich angenehm von vielen glatt produzierten Genrevertretern abhebt.
Die blaue 7″ knüpft nahtlos an dieses Niveau an, setzt aber gleichzeitig eigene Akzente. Mit „In This Hearts“ zeigt sich die Band zunächst etwas emotionaler. Der Song wirkt offener und nachdenklicher, ohne dabei an Dynamik einzubüßen. Gerade diese Balance zwischen Melancholie und Vorwärtsdrang macht den Reiz aus. Die Melodien entfalten sich ganz selbstverständlich und wirken nie aufgesetzt, während der Gesang die emotionale Grundstimmung glaubwürdig transportiert. Den Abschluss der zweiten Single bildet „Borderlines“, das die Zügel wieder etwas straffer anzieht. Hier dominieren druckvolle Gitarrenriffs, ein treibender Rhythmus und eine gute Portion Punkrock Attitüde. Trotzdem verlieren The Lamplighters nie ihr Gespür für eingängige Hooklines. Der Song entwickelt ordentlich Wucht, ohne dabei in bloßes Drauflosspielen zu verfallen. Vielmehr zeigt sich erneut, wie ausgewogen das Songwriting der Band funktioniert. Härte und Melodie stehen nicht in Konkurrenz, sondern ergänzen sich auf angenehme Weise.
Auch produktionstechnisch hinterlassen beide Singles einen überzeugenden Eindruck. Die Instrumente klingen druckvoll, bleiben aber jederzeit transparent. Der Bass ist angenehm präsent, das Schlagzeug besitzt genau die richtige Portion Druck und die Gitarren dürfen auch einmal Ecken und Kanten zeigen. Nichts wirkt überproduziert oder steril, stattdessen transportiert der Sound genau die Energie, die man sich von einer Band mit DIY Wurzeln erhofft. Nach mehreren Durchläufen wird deutlich, dass das Veröffentlichungsformat perfekt zum musikalischen Konzept passt. Statt das komplette Album am Stück zu konsumieren, nimmt man sich automatisch mehr Zeit für jede einzelne Single. Die cyanfarbene Ausgabe legt das Fundament, die blaue erweitert den musikalischen Horizont und macht gleichzeitig neugierig auf die beiden noch ausstehenden Kapitel. Genau darin liegt für mich der besondere Reiz dieser Veröffentlichung. Schon nach diesen ersten beiden 7″-Singles hinterlassen The Lamplighters den Eindruck einer Band, die ihren eigenen Weg konsequent verfolgt. Die Songs besitzen Wiedererkennungswert, die Melodien bleiben hängen und die Energie wirkt jederzeit ehrlich. Manchmal ist weniger eben mehr und vier kleine Scheiben können am Ende durchaus einen größeren Eindruck hinterlassen als so manche gewöhnliche LP.
Wer ein Exemplar, der jeweils auf 150 Stück limitierten Scheiben haben möchte, sollte sich schnellstmöglich an die Band wenden.

