Heute bleibt der Plattenteller ausnahmsweise kalt. Statt Vinyl landet eine Kassette im Tapedeck und zwar eine, bei der sich das gute alte Spulen definitiv lohnt. Mr. Review mit „XXV“, in der 2026er Tape Version von Black Butcher Classics. Mr. Review muss man in der Ska Szene wohl niemandem mehr groß erklären. Die Niederländer stehen seit Jahrzehnten für treibenden Ska, eingängige Melodien und diesen ganz eigenen Mix aus Tanzbein und leicht melancholischem Unterton. „XXV“ passt da ziemlich gut ins Bild, denn schon der Titel verrät, worum es geht. Das Album entstand zum 25 jährigen Bandjubiläum und zeigt eine Band, die längst nicht mehr beweisen muss, dass sie Ska spielen kann. Und trotzdem ist das hier keines dieser Alben, die man einfach nebenbei laufen lässt und nach einer halben Stunde nicht mehr weiß, was eigentlich passiert ist.
„Lost Along The Way“ ist für mich direkt einer der Songs, die hängen bleiben. Ein starker Einstieg, der ordentlich Schwung mitbringt und gleichzeitig diese typische Mr. Review Melodik besitzt. Genau diese Mischung funktioniert für mich auf „XXV“ besonders gut. Es darf getanzt werden, aber bitte nicht ohne ein bisschen Gefühl im Gepäck. Auch „Where The Carpark Ends“ gehört für mich ganz klar zu den Höhepunkten. Der Song besitzt diesen schönen Ska Drive, bei dem man beinahe automatisch mit dem Fuß mitwippt. Und wenn man dabei gerade irgendwo zwischen Küche, Wohnzimmer und Plattenschrank unterwegs ist, ist das auch völlig in Ordnung. Heute eben zwischen Küche, Wohnzimmer und Tapedeck. Mit „Red Rum Raid“ wird es dann noch einmal eine Ecke markanter. Einer dieser Tracks, die bei mir sofort Aufmerksamkeit bekommen und nicht einfach im Albumfluss verschwinden. Genau solche Songs sorgen dafür, dass „XXV“ für mich mehr ist als nur ein Jubiläumsalbum, das pflichtbewusst seine zwölf Stücke abspult.
„Waiting For The Day“ schlägt ebenfalls genau in meine Kerbe. Hier zeigt sich wieder diese Stärke von Mr. Review. Ska muss nicht zwangsläufig nur nach Party, Sonnenbrille und hochgekrempelten Hosenbeinen klingen. Da steckt durchaus Atmosphäre drin, ohne dass die Musik plötzlich ihre Tanzschuhe an den Nagel hängt. Und dann ist da noch „Niet Naar Huis“. Allein der niederländische Titel sorgt schon dafür, dass dieser Song bei mir einen kleinen Bonuspunkt bekommt. Musikalisch funktioniert er für mich ebenfalls hervorragend und gehört definitiv zu den Tracks, bei denen ich beim Durchlauf nicht auf die Idee komme, mal eben vorzuspulen. Und mal ehrlich, ein Song namens „Nicht nach Hause“ passt doch ziemlich gut auf ein Tape, das man am liebsten einfach noch einmal von vorne starten möchte.
Überhaupt gefällt mir an „XXV“, dass das Album trotz seiner Jubiläumsfunktion nicht wie eine museale Rückschau wirkt. Hier wird nicht ehrfürchtig auf die eigene Vergangenheit geschaut, sondern ordentlich weitergespielt. Ska, der seine Wurzeln kennt, aber deshalb nicht mit beiden Füßen darin festklebt. Und dann wäre da natürlich noch „Red Rum Dub“, der das Album auf der B Seite entsprechend ausklingen lässt. Ein schöner Abschluss, der noch einmal eine andere Seite des Sounds zeigt und gleichzeitig daran erinnert, wie viel Spielraum das Genre eigentlich bietet. Die 2026er Ausgabe von Black Butcher Classics macht aus „XXV“ nun also ein Tape. Und genau das gefällt mir. Klar, objektiv betrachtet ist eine Kassette nicht unbedingt das praktischste Medium der Welt. Zurückspulen, umdrehen, hoffen, dass das Band nicht irgendwann meint, sich in den Tiefen des Tapedecks häuslich einrichten zu müssen, wir kennen das Spiel. Aber genau darin steckt eben auch ein Teil des Charmes.
„XXV“ funktioniert für mich jedenfalls hervorragend in diesem Format. Vielleicht sogar ein bisschen besser, als man zunächst denken würde. Die Musik hat genug Energie, um nicht im Hintergrund zu verschwinden, gleichzeitig aber genug Melodie und Atmosphäre, damit man auch beim bewussten Zuhören immer wieder etwas entdeckt. „Lost Along The Way“, „Where The Carpark Ends“, „Red Rum Raid“, „Waiting For The Day“ und „Niet Naar Huis“ sind dabei meine persönlichen Anspieltipps, wobei das Album für mich insgesamt ziemlich rund funktioniert. Mr. Review liefern mit „XXV“ keinen verstaubten Blick zurück, sondern ein Album, das auch Jahre später noch verdammt gut funktioniert. Und dank Black Butcher Classics gibt es das Ganze jetzt wieder auf Kassette. Also, Tapedeck anschmeißen, Play drücken und bloß nicht zu früh nach Hause gehen.
Wer eines dieser weißen Tapes haben möchte, sollte schnellstens bei Mad Butcher Records vorbei schauen.

