Als ich zum ersten Mal von Mwita Mataro gehört habe, dachte ich an einen weiteren Indie-Musiker, den ich eh nur 1x mal anhören werde, weil mir das vielleicht zu poppig ist. Dann habe ich mich etwas eingelesen und das Bild wurde deutlich spannender.
Am 23. Oktober 2026 (es ist noch etwas Zeit, aber man kann ja nie früh genug die Werbetrommel rühren) erscheint sein Solo-Debüt „Austrodrama“, und weil es schon viele Singles gibt, lässt sich ziemlich gut erahnen, wohin die Reise geht.
Mwita Mataro ist am Fuschlsee aufgewachsen und war bisher vor allem als Sänger der Indierockband At Pavillon bekannt. Selbst diese Information hätte mir, bei meinem im ersten Satz genannten Indie-Pop, zu denken geben müssen.
Zuletzt fiel Mwita Mataro auch als Co-Regisseur und Hauptdarsteller der Filmdoku „Austroschwarz“ auf. Seine Eltern stammen aus Tansania, er wurde in Salzburg geboren und ist österreichischer Staatsbürger. Genau daraus speist sich seine Musik: die Frage, wer in Österreich eigentlich dazugehört. Der Film war dabei ein großer Erfolg, mit über 10.000 Kinotickets und mehr als 14 Wochen im Kino. Die Musik ist quasi daraus gewachsen. Mataro erzählt, dass er schon in den ersten Drehbuchfassungen Austropop-Songs covern wollte. Sein Grundgedanke: Was passiert, wenn ich als Österreicher mit Migrationshintergrund den Begriff Austropop für mich beanspruche? Brücken schlagen, das ist für ihn der Ansatz.
Vorab gibt es schon einiges zu hören. Los ging es mit „Es begann alles mit Feuer“, seiner ersten deutschen Single. Dann kamen „Schwarzer Hase“ und der Titelsong „Austrodrama“. Der Titelsong landete auf Platz 2 der FM4-Charts und lief auch auf Ö3, was für einen Indie-Künstler wohl selten vorkommt, wenn man den hiesigen musikalischen Berichten Glauben schenken mag. Später folgten „Was ist das für ein scheiß Geschwisterstreit“ im November 2025, „4 Uhr Nachts“ – mein persönlicher Favorit – im Mai und zuletzt „Magdalena“. Bei „Magdalena“ geht es um unglückliche Liebe am Arbeitsplatz, die im Wiener Café Alt Wien spielt. Das klingt nach einer kleinen Kurzgeschichte und macht neugierig.
Beschrieben wird der Sound als eingängig und rockig, pendelt immer wieder in Richtung Wanda- oder Bilderbuch – Stil. Es sind im allgemeinen Rocksongs im Dialekt, mit Augenzwinkern und ordentlich Gitarre. Das gefällt mir, denn Themen wie Rassismus und Identität sind wichtig, werden aber auch schnell schwer und belehrend. Mataro packt sie in Songs, die auch Spaß machen sollen, und bleibt dabei ehrlich. Im Titelsong geht es zum Beispiel um ein Gespräch mit dem Vater über das Liebesleben und um den Therapeuten. Das ist lustig und trotzdem ziemlich persönlich.
Man muss erwähnen, dass es schon schwer ist den Texten hier und da zu folgen. Wenn man diese aber neben sich liegen hat hat, was möglich ist, da es diese auch als praktische Inserts zum Cover gibt, wird die Sprache egal.
„Austrodrama“ ist spannend, weil es den klassischen Austropop nicht einfach nachmacht, sondern ihn um eine Stimme erweitert, die bisher selten zu hören war. Mwita Mataro wirkt dabei sympathisch und nicht verbissen. Ein makelloses Meisterwerk ist es nicht, muss es auch nicht sein, aber ein mutiges, persönliches Debüt mit Wiedererkennungswert ist es allemal. Wer Wanda, Bilderbuch, Nino aus Wien oder Dialekt-Rock aus Österreich mag, sollte unbedingt reinhören. Mich interessiert vor allem, wie die Songs live funktionieren, und ich hoffe, dass die geplante Tour nicht lange auf sich warten lässt.
Erwerben könnt ihr das Album bei eurem Plattenladen des Vertrauens oder zum Beispiel über den folgenden Link:
MWITA MATARO – AUSTRODRAMA
Viel Spaß beim Hören und Entdecken!

