Die Berliner von NOTHING WORKS haben sich mit ihrem Bandnamen nicht gerade den größten Optimismus auf die Fahnen geschrieben. Nach „Bold Talk for a Burner Account“ kann man aber ziemlich schnell sagen, so ganz stimmt das zum Glück nicht. Die Band kommt aus dem DIY- und Hardcore Umfeld und macht Musik, die Haltung hat, ohne daraus eine Wissenschaft zu machen. In ihren Texten geht es um Sexismus, Queerfeindlichkeit und Bodyshaming. Aber auch um die Schattenseiten einer Szene, die sich zwar gerne als offen versteht, aber längst nicht immer so handelt. Das alles verpacken NOTHING WORKS in vier Songs und knapp zehn Minuten, Ohne Umwege, ohne Leerlauf.
Schon „Look at the Shit You Just Spew“ macht klar, dass hier nichts beschönigt wird. Der Titel dürfte bei manchen Leuten direkt einen Nerv treffen. Wer sich nach dem Hören ertappt fühlt, sollte vielleicht eher über das eigene Verhalten nachdenken als über die Band. Der Song geht direkt nach vorne und setzt den Ton für die ganze EP. Wütend, aber nie planlos. Laut, weil es einen Grund dafür gibt. Mit „Take My Body Out of Your Mouth“ bleibt die Band auf Kurs. Der Titel sitzt sofort und bringt ziemlich genau auf den Punkt, worum es geht. Grenzen respektieren und anderen nicht ständig erzählen wollen, wie sie zu leben oder auszusehen haben. NOTHING WORKS machen daraus keine große Predigt. Die Aussage kommt direkt und genau deshalb funktioniert sie. „I Am Not Your Bro“ ist für mich der stärkste Song der Platte. Hier geht es um die Widersprüche in der Hardcore und Punk Szene. Alle reden von Zusammenhalt und Offenheit. Trotzdem gibt es immer noch genug Machogehabe und Ausgrenzung. Aber auch Leute die meinen, sie müssten anderen erklären, wie die Szene zu funktionieren hat. NOTHING WORKS sprechen das an, ohne sich dabei über andere zu stellen. Das wirkt ehrlich und genau deshalb trifft der Song.
Zum Schluss kommt „Matcha Latte“. Der Titel klingt erst mal eher nach Café als nach Hardcore, passt aber irgendwie perfekt. Ein kleiner Augenzwinkerer zwischen all den ernsten Themen. Wer jetzt allerdings denkt, die Band würde zum Schluss plötzlich weich werden, liegt vollkommen daneben. Musikalisch macht die EP richtig Spaß. Moderner Hardcore trifft auf melodischen Punk und Post Hardcore. Das ohne ansatzweise wie eine Kopie bekannter Bands zu klingen. Klar hört man Einflüsse wie Drug Church oder Gouge Away heraus, aber NOTHING WORKS haben trotzdem ihren eigenen Sound. Die Songs sind auf den Punkt geschrieben, bleiben hängen und verlieren dabei nie ihre Energie. Hier wird nichts unnötig in die Länge gezogen. Jeder Part hat seinen Platz.
Was mir besonders gefällt, die Texte und die Musik gehören zusammen. Die politischen Themen fühlen sich nicht wie Pflichtprogramm an und die Songs wirken nie so, als wären sie nur geschrieben worden, um eine Botschaft loszuwerden. Beides ergänzt sich ganz selbstverständlich. Genau das macht die EP so glaubwürdig. Auch der Sound passt. Roh genug, damit alles lebendig bleibt, aber trotzdem druckvoll. Die Platte klingt nach Proberaum, verschwitzten Clubs und DIY. Und das ist ausdrücklich positiv gemeint. Eigentlich gibt es nur einen Haken, denn nach knapp zehn Minuten ist alles schon wieder vorbei. Gerade wenn man richtig drin ist, läuft die Platte aus. Andererseits ist genau das vielleicht die größte Stärke von „Bold Talk for a Burner Account“. Keine Füller und keine unnötigen Spielereien.. Vier Songs, die sagen, was sie sagen wollen und dann ist Schluss. Für eine Debüt-EP ist das schon ziemlich stark. NOTHING WORKS zeigen, dass man harte Musik, gute Songs und klare Haltung verbinden kann, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Wenn die Band dieses Niveau hält, dürfte man in Zukunft noch einiges von ihr hören.
Und wenn Ihr jetzt Bock habt, auf diese feine EP, dann könnt ihr die Scheibe direkt bei Refuse Records erwerben.

