Lieber Flo LeBeau, du sprichst mir sowas von dermaßen aus dem Herzen. Dein Song „Work“ trifft den Nagel so hart auf den Kopf, da möchte man weder Nagel, noch Hammer sein. „I love to work, but fuck paid work.“ Hach, was könnte man alles schönes arbeiten, wenn man nicht zur Arbeit müsste? Man könnte zum Beispiel mehr Plattenreviews schreiben. Oder zumindest zeitnaher. Aber undank der Lohnarbeit ist mehr los, als mir lieb ist, weshalb dieses – dein Review zu deinem ersten Longplayer „Epilepsy“ – halt einen satten Monat zu spät kommt. Sorry dafür!
Veröffentlicht haben du und dein Label Little Rebel Records „Epilepsy“ nämlich schon am 12.06.. Ich weiß aus deinen Erzählungen, dass es für dich eine Menge Arbeit (aber schöne!) war, das Album zu produzieren, auch weil du darauf sehr intim und mit viel Herzblut agierst. Du lässt uns Hörer*Innen in schonungsloser Offenheit an deinen Erfahrungen mit deiner Erkrankung an Epilepsie teilhaben – der Albumtitel selbst trifft es mit nur einem Wort so gut, dass ich erneut weder Nagel, noch Hammer sein möchte.
Die Arbeit jedenfalls hat sich mehr als gelohnt, das kann ich dir attestieren. Ich mochte ja deine bisherigen EP-Releases auch schon, auf „Epilepsy“ machst du songwriterisch für mein Empfinden aber nochmal einen deutlichen Schritt nach vorne. Das sind zehn tolle Songs zwischen Folk, Indie, Punk und Country, allesamt intelligent und ausgeklügelt arrangiert und mit einer gehörigen Portion Emotion versehen.
Zusätzliche Instrumente an den richtigen Stellen sowie der ein oder andere produktionstechnische Kniff vom spanischen Produzenten Santi Garcia machen „Epilepsy“ zusätzlich zu einem vollwertigen Album eines Solokünstlers. Da würde ich mir fast wünschen, dich auch mal mit Begleitband live sehen zu können. Zwei MusikerInnen hättest du ja womöglich schon an deiner Seite, zumindest konntest du sie bereits für einen Gastauftritt auf „Epilepsy“ begeistern. Und so haben Wick Bambix (Vocals) und Uli Sailor (Piano, Vocals) beim Song „Give Me Some PMA“ mitgewirkt und zusammen habt ihr daraus einen schmissigen Folk-Punk-Song gemacht.
Sicherlich eines der Highlights der Platte, mein persönlicher Fave ist aber direkt der Opener „Soliloquy“. Eine schöne und packende Grundmelodie auf der Akuklampfe, produktionstechnisch gut in Szene gesetzt, ein Crescendo inmitten des Songs, das aufhorchen lässt und Lyrics, die ich so eins zu eins an meine Kids weitergeben könnte. Oder aber du sagst/singst ihnen das bei deinem nächsten Besuch selber (vor), lieber Flo LeBeau. Ist womöglich authentischer.
Was bleibt, ist eine Platte, die bleibt. Musikalisch sowie inhaltlich mehr als eindrucksvoll hallt „Epilepsy“ auch noch nach, nachdem der letzte Ton längst verklungen ist. Zum Beispiel auf dem Weg zur Lohnarbeit. Für Fans von Chuck Ragan und Matze Rossi steht auf dem Promozettel. Das stimmt. Doch nicht nur euch, sondern auch allen anderen sei „Epilepsy“ wärmstens ans Herz gelegt. Zu haben ist das Album bei Flo LeBeau selbst, oder bei Little Rebel Records.

