Mit ihrem Debütalbum GOOD Girl liefert die Berliner Band Remote Bondage ein Statement ab, das sich bewusst jeder Glättung verweigert. Dieses Album will nicht gefallen – es will wirken. Und genau darin liegt seine Stärke.
Schon nach den ersten Tracks wird klar, dass Remote Bondage aus einer Szene kommen, in der Haltung genauso wichtig ist wie Sound. Die Band bewegt sich musikalisch irgendwo zwischen Indie-Rock, Punk und poppigen Elementen, scheut aber auch nicht davor zurück, Einflüsse aus ungewöhnlicheren Richtungen einzubauen. Das Ergebnis ist ein bewusst überzeichneter, manchmal chaotischer, aber immer energetischer Klang, der perfekt zu den inhaltlichen Spannungen passt.
Der Opener und zugleich programmatische Track GOOD GIRL (go to hell) setzt direkt den Ton: Hier wird das Bild des „braven Mädchens“ zerlegt und neu zusammengesetzt. Die Mischung aus Wut, Ironie und eingängigen Hooks funktioniert erstaunlich gut und macht den Song zu einem der prägnantesten Momente des Albums. Ähnlich bissig zeigt sich Alle leben schneller, das den permanenten Leistungsdruck und die Rastlosigkeit der Gegenwart thematisiert – ein Song, der trotz seines treibenden Sounds eine gewisse Erschöpfung transportiert.
Eine ganz andere Seite zeigt die Band mit WG. Hier wird der Alltag in einer Wohngemeinschaft humorvoll und leicht absurd beleuchtet. Dieser Track lockert das Album auf, ohne dabei belanglos zu wirken – vielmehr zeigt er, wie gut Remote Bondage darin sind, persönliche Beobachtungen mit gesellschaftlichen Untertönen zu verbinden.
Inhaltlich kreist GOOD Girl stark um feministische und queere Perspektiven. Themen wie Körperlichkeit, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Rollenerwartungen ziehen sich durch das gesamte Album. Besonders auffällig ist dabei der Umgang mit Tabus: Statt sie vorsichtig anzutasten, werden sie offensiv und oft mit einer Mischung aus Humor und Provokation angesprochen. Das verleiht dem Album eine direkte, manchmal rohe Ehrlichkeit.
Auch Tracks wie Madonna vs. Britney greifen größere Diskurse auf, etwa Konkurrenz unter Frauen versus Solidarität. Remote Bondage schaffen es hier, popkulturelle Referenzen mit klarer Haltung zu verbinden, ohne dabei belehrend zu wirken.
Produktionstechnisch bleibt das Album bewusst unpoliert. Der Sound ist druckvoll, manchmal fast überladen, was jedoch gut zur Attitüde der Band passt. Es entsteht der Eindruck, dass hier nichts zurückgehalten wird – weder musikalisch noch inhaltlich.
Unterm Strich ist GOOD Girl ein Debüt, das Ecken und Kanten nicht nur zulässt, sondern zelebriert. Remote Bondage positionieren sich klar und laut, ohne dabei ihre Verspieltheit zu verlieren. Wer ein glatt produziertes Indie-Album sucht, wird hier vielleicht überfordert sein. Wer jedoch Lust auf Energie, Haltung und eine gute Portion Chaos hat, findet in GOOD Girl ein spannendes und bemerkenswertes erstes Ausrufezeichen.
Erwerben könnt ihr das Album, das es auf schickem transparentem rosa Vinyl gibt, beim Label Munich Warehouse über den folgenden Link in der Bio:
Remote Bondage – GOOD Girl
Viel Spaß beim Hören und Entdecken!

