Mit Mirage legen Sound of Smoke ihr drittes Album vor und für mich ist es eines, das beim zweiten Hören seine volle Wirkung entfaltet und man dann verleitet ist, es direkt im Anschluss in Schleife zu hören. Die Erwartung an die Band und das Album war da, da ich die Band bereits aus der Vergangenheit kannte und gespannt war, wie sich ihre Entwicklung nach dem zweiten Album fortsetzt.
Was sich musikalisch auf „Mirage“ eröffnet, ist genau die Art von Desert Rock, die ich schätze: sphärischer, warmer Echo-Fuzz-Sound, getragen von der Gitarrenarbeit von Jens Stöver, der sich tief in die Klanglandschaft einbrennt. Darüber legt sich die soulige Stimme von Isabelle Bapté, die dem Ganzen nicht nur Charakter, sondern auch emotionale Tiefe verleiht und das Album mit ihrer Stimme trägt. Die Rhythmussektion funktioniert dabei als stabiles Fundament: Johannes Braunsteins Drums setzen präzise Akzente, während Florian Kiefers Bass kraftvoll vor sich hin brummt. Die Synthesizer werden gezielt eingesetzt und ergänzen das Klangbild, ohne es zu überladen.
Beim Hören entsteht eine klare visuelle und körperliche Assoziation: Man findet sich Gedanklich in einer staubtrockenen Wüstenlandschaft wieder, die Hitze flimmert auf dem Asphalt, ausgetrocknete Wasserlöcher liegen in der Ferne, und man meint förmlich, das Salz auf den Lippen zu schmecken, kein Scherz. Dieses Gefühl wird durch das Artwork von Mirkow Gastow zusätzlich verstärkt. Sonne, Sternenhimmel, Planeten und Pilze deuten eine Reise zwischen Realität und psychedelischer Wahrnehmung an, während die schattenhafte Silhouette der Band den Einstieg in diese Welt markiert.
Auch auf Songebene zeigt sich die Band vielseitig und gleichzeitig gefestigt. „Lush“ setzt mit Soul- und Funk-Anleihen ein klares Statement und schlägt eine Brücke „Gesellschaftlicher Probleme“ von den 60ern in die Gegenwart, ohne dabei an Relevanz zu verlieren. „Wicked Games“ und „San Junipero“ gehen deutlich härter zur Sache und bedienen mit griffigem Sound auch die Liebhaber der bluesrockigeren und doomigeren Seite der Band. Die Wurzeln im Blues Rock sind hier klar erkennbar und werden nicht verleugnet.
Immer wieder finden sich längere Gitarrensoli, die den Songs Raum zur Entfaltung geben. Besonders hervorzuheben sind „Röntgenstrahlen“ und „Zweierlei“, die erstmals deutschsprachige Elemente ins Spiel bringen (bitte in Zukunft mehr davon!). Beide Tracks kombinieren NDW-Anklänge mit klassischem Stoner Rock und intensivem Wah-Wah-Einsatz. Gerade dieser Ansatz funktioniert überraschend gut und darf in Zukunft gerne weiter ausgebaut werden.
Insgesamt wirkt Mirage wie ein Album, das von der bewussten Entscheidung profitiert, einen Gang herunterzuschalten. Weniger Tourstress, mehr Fokus auf Songwriting und man merkt dem Album an: diese Ruhe vor dem „Wüstensturm“ hat der Band hörbar gutgetan. Das Ergebnis ist ein gereiftes, atmosphärisches Werk, das sich klar von seinen Vorgängern abhebt und für mich eine deutliche Steigerung darstellt.
Auch optisch überzeugt die farbige limitierte Vinyl-Ausgabe (700 Stück in Aurora Glow): Tonzonen Records Katalognummer TON196 / Cargo Records liefert erneut eine hochwertige und farbenreiche Pressung ab, die sich angenehm vom oft monotonen Standard abhebt und das Hörerlebnis visuell ergänzt und vom Sound richtig gut ist.
Unterm Strich ist Mirage ein starkes Album geworden, das nur einen kurzen Moment braucht, aber genau darin seine Qualität zeigt.
Ordern könnt ihr das gute Stück im bandeigenen Shop auf Bandcamp. Direkt bei Tonzonen Records oder JPC.
