Schnaps zum Ersten, Schnaps zum Zweiten… ja genau, belassen wir es vorerst dabei. Zum Dritten, zum Vierten, … müssten aber noch folgen, denn schließlich wollen die Wernigeroder DIY-Punks Schnaps ja sämtliche, ursprünglich für’s vierte Album gedachten Songs in ihrem eigens dafür gegründeten „Schnaps Singles Club“ verbraten. Das Konzept find‘ ich super und „verbraten“ ist in dieser, der zweiten Ausgabe auch das passende Stichwort. Zum Konzept: Schnaps wollen eine Reihe von Split-7″es mit ihnen selbst und jeweils einer befreundeten Band veröffentlichen. Zwei Songs pro Band, da dürfte also noch was kommen.
Dieses Mal mit dabei, die Grillmeister von Die Bockwurschtbude aus Frankfurt/Oder. Fangen wir doch also gleich mal mit deren Beiträgen an. Aha! Die covern da „Ich Bin Ein Punk“ von der Terrorgruppe zwei Ganztöne tiefer. So mein erster Gedanke beim Hören von „Halb So Wild“. Mit dem Einsetzen des Gesangs wird aber schnell klar, das Quartett ist gar nicht so fröhlich, wie es der Bandname und der Terrorgruppe-Vergleich zunächst vermuten ließ. Eine dunkel-tragische Herzschmerz-Ballade im Deutschpunkoutfit und mit gehaltvollen Lyrics. Klingt eher nach den alten Dritte Wahl und gefällt mir somit ganz gut.
„Müssen Wir Uns Gegenseitig Bekämpfen ’26“ ist dann das berühmte zweischneidige Schwert. Auch ohne die Hinweise „Ironie On“ und „Ironie Off“, die da – wie schon bei „Vol. I“ auf dem abermals hochwertigen Inlay – zu Beginn, bzw. zu Ende des Textes abgedruckt sind, kann man die Ironie des Songs herauslesen. Doch hinter jeder Ironie steckt ja auch so ein klein bissi Ernst und rechtfertigt Ironie im Text denn gleich das Intonieren dieses Nänänänääänä’s, mit dem sich Vierjährige gerne gegenseitig hänseln? Für mich eher etwas enervierend und damit spielt Die Bockwurschtbude im Endergebnis 1:1.
Schnaps wiederum kommen gewohnt ungewohnt ums Eck. Soll heißen: man weiß ja nie so recht, was die Band dieses Mal wieder ausgeheckt hat – und genau das macht sie so spannend. Tatsächlich betreten Schnaps mit „Einer Von Vielen“ neues Terrain. Der Song geht musikalisch doch tatsächlich straight in Richtung Skatepunk der ’90er. Ultraschnell und dann dieses Riffing. No Fun At All grüßen aus dem hohen Norden. Mag ich ja sehr gerne, so was! Textlich dagegen sind Schnaps gewohnt sicher. Ich mag den einfach, deren Stil und möchte das auch gerne einfach mal so stehen lassen.
„Hoppetosse“ dann mal nicht ganz so politisch, wie Schnaps für gewöhnlich so sind. Oben war von Herzschmerz-Ballade die Rede. Das passt hierzu doch auch ganz gut und damit sind wir wieder bei so etwas ähnlichem, wie einem gemeinsamen Konzept der beiden befreundeten Bands für diese EP. Entsprechend geht’s auch musikalisch sanfter zu und wenn ich mich recht an den bisherigen Output von Schnaps erinnere, dürfte das hier so ziemlich die erste lupenreine Ballade sein, die deren Feder entsprungen ist. Ist doch auch mal schön, so zwischendurch.
Die Gesamttabelle ergibt somit ein Ergebnis von 3:1. Da können andere doch nur von träumen, oder? Nimmt man das Artwork und die hochwertige Produktqualität noch in die Wertung mit auf, so ist der „Schnaps Singles Club Vol. II“ eh unschlagbar. Buntes Vinyl und abermals hat der Portugiese Samuel Lucas ein paar schöne Eyecatcher auf’s Papier gezaubert. Ich freu mich schon auf Vol. III bis Vol. unendlich! Schaut am besten direkt im Schnapsladen rein und holt euch dort eine von limitierten 300 Scheibchen.

