Mit Sienna Spiro und ihrem Debütalbum Visitors, geht es heute um eine knapp 21-Jährige, die klingt, als hätte sie 1972 schon zwei Scheidungen hinter sich. Oder auch: Musikalisches Death-cleaning mit gerade mal 21 Jahren.
Aber von vorne, wer ist denn Sienna Spiro eigentlich? Also das Internet sagt, sie ist 2005 in London geboren als Tochter nicht unbedingt schlecht betuchter Eltern – das heißt ja erstmal nix, außer, dass man eben bessere Ausgangsvoraussetzungen hat, gerade im recht prekären musisch-künstlerischen Bereich als andere – ihr wisst schon, Klassismus und so. Aber darum geht es nicht, ich schweife wieder mal ab – Danke Merz!
Jedenfalls war Sienna Spiro unter anderem an der East London Arts & Music School, hat diese aber mit 16 abgebrochen, um sich dann ganz der Musik zu verschreiben. Habe ich das Thema Klassismus schon erwähnt? Nein? Gut, hier geht es ja um Musik! Sie hat schon in jungen Jahren – also noch jüngeren Jahren – Musik gemacht. Damals noch Coverversionen ihrer musikalischen Vorbilder, heute eben eigene Songs.
Auf ihrem Debütalbum, Visitor, das gleich mal bei Capitol Records erschienen ist, beschäftigt sie sich hauptsächlich mit dem Thema der Vergänglichkeit – mit 21 Jahren, da habe ich jedenfalls noch nicht über meine eigene Vergänglichkeit nachgedacht, was wohl ein Psychoanalytiker dazu sagen würde? Naja wobei, wenn man sich die Musik von Sienna Spiro anhört, hat man schon eine Idee davon, dass viele ihrer musikalischen Vorbilder inzwischen vergangen sind. Mit fallen da beim Hören z.B. ein: Etta James, Nina Simone, das Rat-Pack oder eher vergleichsweise kürzlicher vergangene wie Amy Winehouse. Die Überordnung des Titels Visitor soll jedenfalls klarmachen, dass wir alle nur zu Besuch hier sind und früher oder später eben auch wieder gehen müssen – oder wollen.
Musikalisch bewegt sich Sienna Spiro für mich genau zwischen den oben genannten bereits vergangenen Vorbildern und den noch die Erde besuchenden wie einer Adele oder Lana Del Ray. Eine backing-Band/Orchester, welches vermutlich aus mehr Mitgliedern besteht als sie selbst Jahre alt ist, trägt ihre mal Del Ray artig deprimierten, mal Adele artig episch-souligen Songs über die Platte. Ihre Stimme selbst ist dabei ein Stück „rauer“ als die der genannten Kolleginnen und würde Sienna bei ausschließlichem hören vermutlich in eine andere Alterskategorie einordnen. Ihr merkt, ich tu mir schwer hier was wirklich Inhaltliches beizutragen, weil ich das Gefühl habe, das alles schon gehört zu haben. Nicht falsch verstehen bitte, das, was sie macht, macht sie gut – aber es ist eben nicht neu. Adele, Lana Del Ray, Amy Winehouse, Sienna Spiro – könnte alles auf eine Retro-Soul-Pop Compilation gepackt werden. Musikalisch episch begleitete Songs, eher melancholische Stimmen, schwermütige Texte und das alles in ein Gewand aus 60-70er Jahre Vintage-Charme gekleidet gibt es schon öfter. Da hat sie sich leider kein Alleinstellungsmerkmal geschaffen.
Trotzdem, für Menschen, die diese Art von Musik mögen, ist das eine klare Empfehlung. Ich mag diese Art von Musik auch gerne – manchmal. Nur solltet ihr nichts großartig Neues erwarten, sonst werdet ihr eventuell enttäuscht, das wäre schade.
Die Platte kommt, wie schon beschrieben, in 60er/70er Retro-Aufmachung daher. Vom alten Capitol Label auf der Platte über Coverartork erinnert die Platte an Vergangenes – und passt damit ja wieder zur Besucheridee. Die Platte selbst gibt es in mehreren Farben, je nach dem wer sie verkauft, ich habe die Orangene. Finde ich auch hübsch. Gibt es z.B. HIER.

