Acht Songs in gut elf Minuten. Ein Ausreißer mit einer Spielzeit von 2:30 Minuten („Tired“) ist dabei, ansonsten… na ja, ihr seid doch alle ganz gut im Rechnen, oder? Auch klar, dass Splin aus Bielsko Biala (Polen) auf ihrem neuen Release „Type Of Love“, veröffentlicht vom Berliner Label Refuse Records, keine allzu großen Umwege einschlagen, um auf den Punkt zu kommen.
Der oben angesprochene Song „Tired“ hat schon aufgrund seiner, man möchte fast schon sagen, Überlänge ein bisschen mehr Tiefgang und geht in Richtung der genialen Boysetsfire auf deren Frühwerken. Tolle, atonal-melodische Gitarre und das Ganze im Midtempobereich. Find‘ ich klasse.
Ansonsten brettern Splin eher auf der Überholspur an uns vorbei. Der Opener und Titeltrack schreit uns als kleine Vorwarnung mit den Textzeilen „Wait! What? Right under the skirt.“ an, ehe Splin den Blinker nach links setzen. Da macht vor allem Sängerin Paula den ganz großen Unterschied. Rein musikalisch werfen Splin nichts wesentlich Neues in den Ring des HC-Punk, in dem sich seit jeher Bands wie Minor Threat oder Black Flag tummeln und Freund*Innen des Genres kommen damit dann sicherlich auf ihre Kosten, auf die sie auch weiterhin kommen wollen.
Paula aber bietet uns eine extreme Bandbreite an Gesangsstilen und schafft es, mit ihrem von einem Vibrato getragenen Klargesang so manche Stelle oder gar ganzen Song zu einem melodischen Punksong umzumodeln. Da muss ich dann ganz dolle an die Kalifornier*Innen von Tilt denken, nur damit Paula diesen Gedanken im nächsten Moment mit fiesem Gekeife wieder vehement vom Plattenteller fegen kann.
Unterm Strich betrachtet, bearbeiten Splin einige der üblichen genretypischen Themen wie Sexismus, Faschismus und Individualismus in kurzen, aber äußerst griffigen und aussagekräftigen Sätzen. So zumindest in den sieben englischsprachigen Songs. Zum abschließenden, auf Polnisch vorgetragenen „Nie Ma“ kann ich wegen der Sprachbarriere nichts sagen, wohl aber, dass ich diesen Song als solchen mit zum Besten auf „Type Of Love“ zähle.
Über das Artwork lässt sich streiten, wirkt es doch ein wenig irreführend auf mich und hätte es auch z.B. eine The Cure-Platte schmücken können. Allerdings mag ich den dezenten Prägedruck schon sehr. Die Scheibe selber: seht euch doch mal die Fotos da unten an. Ist die nicht wunderschön?! Dazu ein Inlay, das keine Wünsche offen lässt. Splin kommen, liefern ab und gehen wieder. Saubere Sache, zu haben z.B. direkt bei Refuse Records.
