„Hör Musik!“ sagen sie „Jeden Tag eine Platte!“ sagen sie „wenigstens eine Plattenseite“ sagen sie „Hör Musik!“ sagen sie…
Ich habe in letzter Zeit viel zu wenig Musik gehört. Mein letztes Review ist tatsächlich knapp zwei Monate her und vermutlich ist es auch genau so lange her, dass ich überhaupt eine Platte aufgelegt habe. Es kam immer was dazwischen. Man muss sich ja Zeit nehmen und Zeit ist ein wertvolles Gut. Ungefähr genau so lange liegt auch schon die sich drehende Platte in meiner Plattenkiste und ich hatte mir vorgenommen, dass ich sie euch vorstelle, bevor es in den Urlaub geht.
Soll ich euch was verraten? Es tut verdammt gut, eine Platte zu hören, auch wenn ich sie nicht einfach höre sondern parallel diese Zeilen für euch schreibe.
Kreftich haben eine neue Platte gemacht, „Keine Angst“ heißt sie und sie ist bereits im Mai bei Weird Sounds erschienen.
Ich muss gestehen, dass ich Kreftich nie auf meinem Radar hatte. Irgendwann hört man halt das, was man kennt und bekommt die Newcomer gar nicht mehr so mit. Schade, aber so ist das. Wir befinden uns noch in der Fussball-WM-Zeit, dem Wochenende kurz vor dem Finale und meine Worte nennt man wohl „Ein klassisches Eigentor“, denn „Keine Angst“ ist bereits das sechste Album, des Punkrock Trios aus dem wunderschönen Dinslaken und nach fast drei Jahrzehnten Bandbestehen kann man wohl kaum noch von Newcomern sprechen. Für den Keks schreibe ich übrigens seit ca. sechs Jahren und zu meiner Anfangszeit hat Sänger Sebastian „Hagi“ Hagedorn eine Vinylsünde für uns präsentiert, eine Rubrik, die ich bis heute sehr liebe. Spätestens da hätte ich also die Band endlich auf meinem Radar haben sollen, nein müssen.
„Keine Angst“ klingt übrigens nicht nach einer Platte von einer Band, die nach knapp 30 Jahren in der Routine angekommen ist. Die Mischung aus Punkrock und Ska-Punk klingt frisch, abwechslungsreich, teils wütend, teils ermutigend , kurz zusammengefasst: I like. Inhaltlich bekommen wir Gesellschaftskritik, aber auch persönliche Einblicke und kleine Alltagsgeschichten. Meine liebste Zeile: „Klimawandel gibt es nicht, weil die Musik so fröhlich ist.“ aus „Bis einer lacht“, aufgrund der überraschenden musikalischen Überraschungen innerhalb des Songs auch bei mir neben der eher etwas ruhigen Nummer „Sonne und Wind“ ganz vorne. Der Gesang von Hagi erinnert mich in einzelnen Passagen an Tex Brasket, doch im Gegensatz zu den Punk-Pionieren von Slime gibt es bei Kreftich weniger Geknüppel und mehr Abwechslung und dazu immer mal wieder Ska-Einflüsse, teils mit der Hammond-Orgel aufgepeppt.
Das Petrol Vinyl kommt in einem gefütterten Innersleeve daher. Weird Sounds beweisen immer wieder, dass sie Vinyl lieben. Die Texte sind auf einem extra Einleger dabei. Die Platte läuft sauber und ohne Knacks durch und das ganz ohne Plattenwäsche. Ich empfehle euch „Keine Angst“ bei eurem Local Dealer des Vertrauens zu kaufen. Alternativ könnt ihr die Platte auch von der Couch aus direkt beim Label bestellen.
„Hört Musik!“ sage ich

