Led Zeppelin! The Kinks! Jimi Hendrix! Alle schon tot, oder zumindest nicht mehr da?! Ja schon, aber der Rock’n’Roll-Himmel wabert immer noch und neuerdings über Quedlinburg, denn dort sind all diese Vibes vereint. The Birch haben am 21.11.’25 via Tonzonen Records mit „Vicious Mind“ ein mehr als beachtliches Zweitwerk vorgelegt, auf dem sie zeigen, „wie man ein Retro-Gefühl erzeugen kann, ohne retro zu sein“. Passender hätte ich dieses Statement, entliehen aus dem ausführlichen Promozettel, für „Vicious Mind“ auch nicht formulieren können.
Nun, wie kommt’s zu den oben genannten Referenzen? Einfach mal den Opener und Titeltrack für ein paar Takte hören, dann wird’s klar. Tonnenschwere Riffs, wie sie Großmeister Jimmy Page auch nicht besser hervorgezaubert hat, dazu den Sound der Garagenkönige adaptiert und der Gesang erinnert sowohl in Machart, als auch Stimmlage eben an den anderen Großmeister. Das sind aber lediglich die Basics und The Birch sind jetzt nicht nur die drei Typen, die schön brav ihre Instrumente geübt haben, während die anderen beim Saufen waren, um dann punktgenau den Idolen nacheifern zu können. Vielmehr transferieren sie die Idole ins hier und heute und Bands wie Jet oder The Datsuns (okeee, auch nicht mehr so ganz hier und heute, aber gemessen an der Existenz des Rock’n’Roll halt schon) senden freundliche Grüße vom anderen Ende der Welt.
Nicht ganz so weit weg, aber immerhin um die halbe Welt hat es The Birch für die Aufnahmen von „Vicious Mind“ verschlagen. Nach Miami Beach nämlich. Da war ich zwar noch nie, aber dennoch bringe ich diesen Teil der Welt mit viel Sonnenschein, wenig Kleidung und viel Glamour, ein paar Bandenkriegen und dazu passend den beiden Rauschgiftfandern aus Miami Vice in Verbindung. Kaum zu glauben und doch wahr, The Birch haben in diesem sonnigen Umfeld sieben Tracks auf Band gezaubert, die an Tiefgang, Schwere, Psychedelia und schierer Rockenergie kaum zu überbieten sind.
„Downpour“ überrascht da mit seinen Streicherarrangements und der Kifferaura wohl am meisten, ist aber einfach nur wunderschön. „Rock’n’Roll“ ist nicht nur wegen dem Titel die wohl augenzwinkernste Verneigung vor Led Zeppelin, nein, auch der Riff , das Solo, die unaufhaltsam nach vorne galoppierende Energie sind da unmissverständliche Ohrenzeugen. Auch den schleppenden Halbtonriff von „Little Treat“ meine ich so, bzw. so ähnlich schon mal gehört zu haben. Aber der ist halt auch immer wieder gut, ergo: funktioniert halt immer und der Kopf wippt andächtig mit. Mein heimlicher Favorit auf „Vicious Mind“.
Gemessen am mir bisher bekannten Backkatalog von Tonzonen Records beugen sich The Birch stilistisch sicherlich am weitesten über den Tellerrand, haben aber dennoch eine passende Labelheimat gefunden. Zum (persönlichen musikalischen) Jahresabschluss liefern mir The Birch nochmal ein richtiges Brett und machen mir Hoffnung, dass es 2026 gerade so weitergehen könnte.
Die im wahrsten Sinne des Wortes schönste Schallplatte seit langem liefern sie gleich noch mit. „Smashed Sunset“ nennt sich diese Vinylfarbe. Schaut euch mal die Fotos an. Ist das nicht wunderschönes Vinyl?! Hach, hier passt halt einfach alles. Einziges Risiko: das Teil ist auf läppische 400 Stück limitiert! Ranhalten, Leute! Zum Beispiel bei jpc. Schöne Grüße nach Quedlinburg Rock City!

