Das neue Album „Balderdom“ der norwegischen Prog Folkrock Band Tusmørke aus Skien, das dieses Jahr bei Karisma Records erschienen ist, will viel, vielleicht ein wenig zu viel.
Tusmørke verstehen ihr neues Album als philosophisches Konzeptwerk über Zyklen, Zeit und Wiederkehr. Es verliert sich dabei aber stellenweise in seiner eigenen Ambition.
Die Stücke der A-Seite, entstanden im Rahmen einer Wintersonnenwendefeier, tragen zwar eine authentische, fast zeremonielle Grundstimmung in sich, doch genau diese Ernsthaftigkeit wird mitunter zur Bürde. Die Musik entfaltet sich langsam, bewusst, fast ehrfürchtig, aber nicht immer zwingend, so dass die gewollte Stimmung bei mir nicht völlig ankommen mag. Einige Passagen wirken eher wie Skizzen eines Gedankens als dessen konsequente Ausarbeitung.
„Lidskjalv“ als lange gereifter Song, der mit 20 Minuten und 53 Sekunden die komplette B-Seite einnimmt, hätte ein zentrales Highlight sein können. Stattdessen bleibt ein leicht zwiespältiger Eindruck: Die historische Tiefe ist spürbar, doch die finale Version wirkt überraschend zurückhaltend, beinahe vorsichtig. Hier hätte man sich mehr Mut zur klanglichen Zuspitzung gewünscht. Auch die mythologischen Verweise von nordischer über ägyptische bis hin zur christlichen Symbolik sind konzeptionell spannend, geraten aber stellenweise zu plakativ. Die Idee der ewigen Wiederkehr wird deutlich transportiert, aber nicht immer musikalisch überzeugend eingelöst. Gerade im Prog Kontext, wo Entwicklung und Dynamik essenziell sind, fehlt es gelegentlich an echten Brüchen oder überraschenden Wendungen. So bleibt „Balderon“ ein Album mit starkem Konzept und stimmungsvoller Grundidee, das sich jedoch zu häufig auf seiner eigenen Bedeutung ausruht. Der Anspruch ist hoch, die Umsetzung leider nicht immer ganz gelungen oder wie ein berühmtes Sprichwort heißt: Das Gegenteil von „gut“ ist „gur gemeint“.
Am Vinyl selbst gibt es nichts zu meckern. Die grüne Platte läuft sauber durch. Auch ohne Plattenwäsche ist kein Knacken oder Rauschen zu hören. Zudem wurde die Platte im gefütterten Innersleeve geliefert.
Ihr bekommt die Platte selbstverständlich im gut sortierten Plattenhandel. Alternativ empfehle ich euch online „Balderdom“ über die Bandcamp Seite der Band zu ordern.

