Na endlich gibt es die KI! Auch wenn sie uns irgendwann überholen sollte und ganz viele von uns überflüssig machen könnte, hier und heute ist sie doch ganz hilfreich, sagt sie mir doch in sekundenschnelle, was ich sonst womöglich nie, oder aber nur sehr schwer herausgefunden hätte und was mir bisher auch ein Rätsel war. Schließlich haben wir es mit Wolfmother doch schon seit dem fulminanten Debüt mit einem Top-Act – und somit mit einer Cashcow – zu tun. War ja auch geil, das Debüt, welches für meinen Geschmack bis heute auch die größte Hitdichte im Backkatalog der australischen Retro-Rocker zu bieten hat.
Das ändert(e) auch das bereits 2019 in digitaler Form veröffentlichte „Rock’n’Roll Baby“ nicht. Sollte es aber wohl auch gar nicht und darin liegt auch quasi eine der Antworten auf meine an die KI gestellte Frage, weshalb das Ding seinerzeit eigentlich nur digital rauskam. So weiß Mrs. Wunderwerk via Smartphone z.B. zu berichten, dass sich Mastermind und irgendwie auch Wolfmother in einem, Mr. Andrew Stockdale, damals keinem „…Druck eines großen Plattenlabels für eine physische Kampagne…“ habe aussetzen wollen. Vielmehr habe er „…mit diesem Projekt seinen eigenen riffgetriebenen Sound…“ verfolgen wollen, welcher im Zuge „…spontaner Jams…“ und nicht durch „…polierte Studio-Perfektion…“ entstanden sei.
Na also! Selbst die Großen dürfen noch anders, wenn sie denn wollen. Das ist ja fast schon so was wie rebellisch, wenn der Stockdale da sein eigenes Ding macht und die Musikindustrie dann relativ leer ausgeht, zumindest aber mal nix für den Plattenladen und auch nicht für den Drogeriemarkt Müller in petto hat. Bis jetzt eben, denn ab dem 24.04. wird „Rock’n’Roll Baby“ nun doch in physischer Form erhältlich sein. Für den ollen Müller sogar als CD. Damals habe der rein digitale Release übrigens „…einen Trend zu schnellerer, rein digitaler Musikverfügbarkeit…“ widergespiegelt. So! Jetzt ist die KI in Gänze zitiert und mir als altem Vinyljunkie und Digitalverächter soll’s recht sein, dass dieser Trend jetzt entweder vorbei zu sein scheint, oder aber die Musikindustrie doch noch ein paar Kreuzer anhand von Wolfmother einheimsen will, denn „Rock’n’Roll Baby“ ist halt schon ein gutes Stück Rockmusik!
Und ja, das hört man auch ohne KI, dass der Stockdale hier einen auf Musik in ihrer natürlichen und urwüchsigen Form macht. Nix da Hightech-Studio! „Rock’n’Roll Baby“ klingt so retro, wie Retro-Rock eben zu klingen hat. Spontan und die Perfektion liegt dann auch mal in der Imperfektion. Insgesamt, aber auch an manchen Stellen richtig krass rauszuhören, z.B. und allerallerspätestens, wenn Stockdale im finalen „Special Lady“ zum Tapping-Solo ansetzt. Unter normalen Bedingungen und für viel Geld hätte ein Produzent wahrscheinlich gesagt:“Andrew, mach das bitte nochmal.“ Spätestens wenn die Plattenfirma gemeckert hätte.
So aber zeigt sich der Herr Stockdale so, wie er eigentlich sein will. Roh, direkt, natürlich und urwüchsig, zumal er bei gleich drei der (leider nur) sieben Songs sämtliche Instrumente alleine eingespielt hat. Spontane Jams an mindestens drei Instrumenten alleine? Vielleicht hat die olle KI hier ein wenig übertrieben (Scheiße! Das Ding nimmt menschliche Züge an!), oder aber der Stockdale hat seine spontanen Jams halt doch schön brav in Studiomanier aufgenommen. Bäääh. Blöde KI! Anders kann’s ja wohl kaum gewesen sein! Egal wie und seine Stimme: eh geil und auch hier wieder nah an der von Robert Plant dran, trotzdem aber unverwechselbar die seine.
Neben dem Stockdale’schen Wunsch nach einer ungeschliffen klingenden Platte, interpretiere ich in „Rock’n’Roll Baby“ noch die Verneigung von Wolfmother vor all ihren großen Vorbildern und Wegbereiter*Innen rein. Mach‘ ich einfach so, ganz ohne KI! Kiss, Black Sabbath, Led Zep, Whitesnake, Cream, Thin Lizzy, AC/DC undundund. Sie alle blitzen hier an allen Ecken und Enden durch. Und das mit einer Menge Charme und Augenzwinkern. In diesem Sinne: „Rock’n’Roll Baby“!
Zu haben ist das gute Stück auf schwarzem oder Swamp Green-Vinyl z.B. bei jpc.

