Der Fatal Blow, der Todesstoß, bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch einen vernichtenden Schlag oder eine Aktion, die zum Scheitern oder zum endgültigen Aus eines Unternehmens, einer Beziehung oder eines Plans führt. Fatal Blow hat sich, und nun kann spekuliert werden, nach dem Ende der Sharp-Legende The Oppressed, aus der viele der Bandmitglieder stammen, endgültig als Hauptprojekt gegründet. Ob die Namenswahl etwas mit der Vorgeschichte zu tun hat, muss man die Bandmitglieder fragen.
Die Band
Die antifaschistische Skinhead-Oi-Band Fatal Blow aus Südwales mit den drei Mitgliedern Paul Cobley (Gesang, Gitarre), Nidge (Bass, Begleitgesang) und Kizz aka Tony Kizmus (Schlagzeug) hat sich nach dem Ende von The Oppressed als Fatal Blow auf alle Fälle fest im Street Punk etabliert und mittlerweile einige Alben auf dem Markt.
Das Album
Das aktuelle Album von Fatal Blow trägt den Titel „The Sharp End“ und auch da kann man wieder schön etwas hineininterpretieren. Die Übersetzung selbst bezeichnet das scharfe Ende eines Stockes, SHARP hat aber auch seine eigene Bedeutung, Skinheads Against Racial Prejudice, „Skinheads gegen rassistische Vorurteile“. Ich liebe solche möglichen Wortspiele. Das Album ist bei Mad Butcher Records erschienen und als CD, MC und auf Vinyl in Splatter-Optik oder Schwarz erhältlich. Aufgenommen wurde das Album mit den 12 Songs in den Red Rock Studios in Wales.
Die Songs
Die A-Seite beginnt mit dem Ohrwurm „Who Made You King“. Der Song dauert genau zwei Minuten und zeichnet sich durch den melodischen, hymnischen Streetpunk-Stil der Band aus. Inhaltlich geht es um junge Skins, mit neuen Boots und frisch rasiert, die den alten Hasen direkt das Leben erklären wollen.
„Church of Fear“ kritisiert dann sehr offen Religionen als Quellen von Angst und Unterdrückung. Musikalisch ein flotter Song, der wegen des Schlagzeugs und des runden Gitarrensounds auf Konzerten sicher toll ankommen wird.
Bei „The Sharp End“ können wir dann versuchen die Doppeldeutigkeit des Albumtitels zu ergründen und werden direkt mit Gesellschaftskritik konfrontiert. Kritik an den schlecht bezahlten Jobs, die einen immer kurz vor der Verzweiflung, an den scharfen Enden hängen lassen, ohne Aussicht auf mehr. Bass und Gitarren sind hier mit dem fast schreienden Gesang im Vordergrund. Guter Song.
„No More War“ ist eine Hymne für den Frieden und mein Favorit der Scheibe. Melodisch wirklich gelungen mit harmonischen Instrumenten und inhaltlich absolut überzeugend. Hier kommt die Stimme des Sängers richtig gut zur Geltung und zieht uns in den Kampf um die Freiheit hinein.
Der nächste Song, „Rotten To The Core“, kritisiert die Konsumgesellschaft, das immer mehr wollen, aber die Gefahr nicht sehen, dass man am Ende nichts mehr hat und im Stich gelassen wird, von der Politik und der Gesellschaft. Lauter Gesang, lautes Schlagzeug, Musik zum Abgehen.
In „Sold Down The River“, also dem im Stich gelassen werden, dreht es sich genau darum, um das im Stich gelassen werden durch Politik und aufgrund finanzieller Interessen. Das alles führt zum Niedergang ganzer Ortsteile und macht wütend. Nach einem melodischen Einstieg in dem wieder die Stimme den Song trägt, hätte ich mir im Refrain mehr Wut gewünscht.
Auf der B-Seite empfängt uns „Divide and Conquer“. Harte Gitarrenriffs und knallige Drums, das hätte ich gerne öfter. Ich interpretiere den Song als klare Kante gegen Reform und deren andere europäische Parteienfreunde, die mit Lügen und Rassismus manipulieren.
Kurz und knackig wird es bei „Violent Times“. Hier erwarte ich bei den Konzerten üblen Pogo. Harte Riffs treiben die Musik nach vorne und der Gesang ist wütend und laut. Inhaltlich geht es um Gewalt.
Ruhiger und wieder melodischer wird es bei „Do The Double Down“. Hier wird sich über die Lügen der Politik lustig gemacht. Lügen und dann ablenken, das passiert überall und muss als das benannt werden was es ist, dem stur bleiben trotz besserer Gegenargumente oder nachdem die Lügen längst aufgeflogen sind.
„Tin Pot Dictator“ richtet sich an Tommy Robinson, den britischen Hooligan und Rechtsextremisten, der die rechte Bewegung in England anführt. Ob er selbst als Westentaschendiktator tituliert wird oder ob damit der Marionettenspieler im Hintergrund gemeint ist, darf jeder selbst überlegen. Ich glaube der Song sieht ihn als Marionettenspieler und verschiedene Skinheads als Gefolgsleute. Musikalisch kann der Song mit dem Gesang überzeugen.
Es folgt ein Cover des Songs „Killer“ von UK Subs mit Kritik an Polizeigewalt. Gelungenes Cover, das die Stärken des Originals gekonnt in die Band holt.
„The Dog“ schließt das Album ab. Es wird wieder kämpferischer, es geht um Underdogs, die nicht nach viel aussehen, aber viel Wut in sich haben und deshalb gefährlich sind. Hier sieht man Rebellion und Revolution am Horizont. Inhaltlich vielleicht der punkigste Song des Albums und ein würdiger Abschluss, der nochmal musikalisch alles zeigt, was die Band kann.
„The Sharp End“ von Fatal Blow ist wirklich ein rundes Album, das zeigt, dass die Bewegung lange nicht tot und lange nicht mundtot gemacht werden kann. Musikalisch überzeugt jedes Lied auf seine Weise, inhaltlich sowieso.
Fazit
Mit „The Sharp End“ liefert Fatal Blow ein starkes Streetpunk-/Oi!-Album ab, das eingängige Melodien mit klaren politischen und gesellschaftskritischen Botschaften verbindet. Die zwölf Songs sind abwechslungsreich, kraftvoll und voller Energie, mal hymnisch, mal wütend. Themen wie Krieg, Rassismus, soziale Ungerechtigkeit und politische Täuschung werden direkt und unverblümt angesprochen. Besonders die Kombination aus mitreißenden Refrains, treibenden Gitarren und kämpferischen Texten macht das Album zu einem überzeugenden Statement der antifaschistischen Skinhead-Szene. Das Album zeigt eindrucksvoll, dass die Band nicht nur die Tradition von The Oppressed fortführt, sondern sich auch als feste Größe im modernen Streetpunk etabliert.
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