STATICØ kommen aus Belgrad und brennen ein apokalyptisches Feuerwerk an Riffs ab, dass sich echt gewaschen hat. Mein lieber Scholli.
Garage-Hardcore-Punk, um das mal näher zu beschreiben.
In meiner Erinnerung, da ich nicht viele Bands vom Balkan kenne, klangen diese in den 90ern im zerfallenden Yugoslavien noch recht rockig.
STATICØ bretzeln das alles weg. Sie sind punkig und spielen in aller Kürze voll nach vorne.
„state of delusion“ oder „violent dreams“ brennen unheimlich schnell durch. Man kennt die Riffs wieder, auf die sie sich beziehen, bauen aber hier und da noch einen Akkord dazu, dann ein Break, ein windschiefer Akkord, der Bass kloppt die bewusst flirrende Trommelei nach vorne.
Die Band spielt unfassbar gut zusammen.
Die meisten Garage-Bands spielen ja nur zu viert. STATICØ haben hingegen zwei Gitarren am Start, was einfach das I-Tüpfelchen ist!
Vor allem der letzte Song auf Seite 1 ist ein super Beispiel dafür, wie man sehr gut gespielte Rockmusik im Hardcore unterbringen ohne den Drive zu verlieren und irgendeinen beliebigen Standard runterzueiern.
„lifeless“ hat dazu noch krasse 80’s Hardcorevibes.
Mit längerer Spielzeit habe ich das Gefühl, dass die Band immer mehr aufdreht und noch einen draufsetzt. Die Gitarren spielen immer mehr gegen- und ineinander. Die Backsection hält alles zusammen, damit die Noise-Section ordentlich durchdrehen kann.
Der Gesang ist speziell. An den hab ich mich am längsten gewöhnen müssen. Gibt es überhaupt etwas Vergleichbares?
STATICØ enden mit einem 7-Minuten-Bassriff, repetitiv, New Wave, als wäre der Bassist in einer Geisterbahn unterwegs, auf ganz schlechten Drogen.
Das muss man so bringen können!
Die Platte kommt in mehrfarbigem Inside-Out-Cover. Aus Kroatien kommen 12 Songs, die aus einem schwer zu ertragenden faschistischen Staat kommen und niemand soll sich mehr sicher fühlen, nachdem er diese Platte gehört hat.
Ja, haben sie geschafft.
Das ist eben nicht düster, es ist apokalyptisch. Nicht depressiv, aber es zieht nach unten. Ich weiß nur nicht wohin.
Wenn STATICØ diesen Soundtrack aus der faschistischen Hölle gebraut haben, in der sie leben müssen, dann führt das Album doch ins Licht?
Refuse Records, Out Of The Darkness, Onesnaževanje Uma und Ayran Sounds.
PS: diese Review erschien auch bei der Provinzpostille. Hier bekommt sie, hoffentlich, noch etwas mehr Aufmerksamkeit!
