Aufgabe 1: Wie groß muss (der einzige) Eingang x sein, wenn der Einlassbeginn um 18:00 Uhr und der Konzertbeginn um 19:30 Uhr ist, wenn alle 8000 (geschätzten) Besucher*Innen den überaus interessanten Opening Act Drug Church von der ersten Sekunde an hören und sehen wollen? Antwort: Egal wie groß x sein müsste, x war auf jeden Fall zu klein! Nicht dass ich schon um 18:00 Uhr da gewesen wäre. Nee, nee, Pünktlichkeit ist nicht gerade meine Stärke. Hätte aber auch nichts gebracht, wie ich vom Matze später erfahren habe. Die waren nämlich pünktlich und standen als Dank dafür eben ’ne Stunde länger in der Kälte rum.
Jedenfalls waren wir natürlich schon alle irgendwann und irgendwie mal drin, aber für Drug Church war’s – abgesehen von den zwei letzten Songs und die auch noch auf den falschen Plätzen, wie uns die gar nicht mal so nette Security-Dame wissen ließ – zu spät. Ich weiß ja, alles ist teurer geworden, die Veranstaltungsbranche leidet, die Künstler*Innen haben weiterhin den Anspruch, Butter statt Margarine im Kühlschrank zu haben, usw., aber auch wenn mein Kollege und Konzertbuddy Sven mal wieder in Tausendsassa-Manier und sehr spontan vergünstigte Tickets für uns zwei organisiert hat (danke nochmals, lieber Sven!), so war’s und ist’s halt immer noch ’ne Menge Asche und dafür sollte seitens des Veranstalters auch für jede*n möglich gemacht werden, das volle Programm genießen zu können. Sorry, aber da gibt’s fette Minuspunkte!
So. Und worum ging’s denn jetzt eigentlich gleich nochmal? Ah ja, die Deftones sind zu Besuch in der Landeshauptstadt. Die Neugier treibt mich, denn ehrlich gesagt, hatte ich die Band nach „White Pony“ so ein wenig aus den Augen verloren. Hatte es zwischenzeitlich 2010 nochmal mit „Diamond Eyes“ und 2016 mit „Gore“ versucht, war aber beides mal nicht so das gelbe vom Ei für mich. Die Band hatte ihre Direktheit („Around The Fur“ ist und bleibt ihr Meisterstück!) und den Punch in ya face zuungunsten von komplizierten Arrangements verloren. War nix für Kleingeister wie mich. Aber nun mal kucken, wie’s heute ist und man trifft ja dann doch auch jede Menge bekannte Gesichter an einem Montag in Stuttgarts größtem Indoorveranstaltungsort.
Krass! So groß sind die also mittlerweile geworden? War hier das letzte Mal bei The Cure, davor lange nicht und damals dann bei Queen feat. Adam Lambert. Und eigentlich meide ich diesen Ort, wurde ich soundtechnisch bisher immer enttäuscht von diesem Venue. Der Sound ist doch aber gerade bei Bands wie den Deftones enorm wichtig und tatsächlich – und so viel vorweg – der war, gemessen an meiner niedrigen Erwartungshaltung, echt okay! Jedenfalls und das nur der Vollständigkeit halber: das müsste so Ende der ’90er gewesen sein, als ich die Deftones das letzte Mal gesehen habe. Ja halt wohl zur „Around The Fur“-Tour, in einem weitaus kleineren Venue in München. Wo genau das war? Puh, ist echt lange her, aber was ich noch weiß, ist, dass Chino Moreno damals beim Crowdsurfen seinen Chuck verloren hat, dieser dann irgendwie am Tresen landete, von dort wieder auf die Reise geschickt wurde, um am Ende wieder am Stinkefüßchen des überaus glücklichen und dankbaren Frontmanns zu landen. Das war noch ein Spaß, von dem ich mir sicher bin, dass er hier und heute und in diesem viel größeren, professionelleren und wohl auch distanzierteren Rahmen garantiert nicht mehr stattfinden wird. Die müssen mich also irgendwie anders abholen…
Zunächst aber mal zurück zum Ärger und den verpassten Drug Church. Ja doch, klar. Die waren super, meinte der Flo. Na toll! An euch: glaubt dem Flo, der Mann hat Ahnung. Ich kann nix zu sagen ob dem viel zu kurzen Eindruck. Danach dann Denzel Curry. Was soll ich sagen? Ist halt nicht mein Plastikbecher Bier (davon gab’s für einen Montagabend übrigens viel zu viel und es ist nicht immer nur von Vorteil, wenn man spendable Kumpels trifft, die man sonst recht selten sieht). HipHop, sicherlich mit Anspruch und irgendwo zwischen The Roots, Asian Dub Foundation und Gangsta Rap. Wenn aber der letzte Song auf einem Sample von Rage Against The Machine’s „Bulls On Parade“ basiert, nee, das quasi ist, und da drüber gesprechgesangt wird… ich weiß nicht so recht. Aber: die Meute findet’s wohl gut und applaudiert freundlich bis frenetisch.
Dann geht’s los. Und wie?! Gleich einer meiner Lieblingssongs als Opener! Krass! „Be Quiet And Drive (Far Away)“. Bin am Start! Am Schluss dann auch wieder, denn auf Position 19 und 20 und damit an vorletzter und letzter Stelle kommen „My Own Summer (Shove It)“ und das völlig überraschende und arschgeile „7 Words“ vom Debütalbum „Adrenaline“. Dazwischen für mich persönlich immer wieder nur Halbgas. Wie gesagt: hab‘ halt doch schon einiges verpasst von denen und manches wie ich finde auch vollkommen zu Recht! Wenn’s mir also musikalisch zu zäh wird, kuck‘ ich mir halt die tolle Profishow an. Ah ja, da ist ein Treppchen, jetzt rauf, dann wieder runter. Flott zwar und doch ein wenig einstudiert vielleicht? Ich weiß nicht so recht. Die Profishow hier in der Profihalle ist mir einfach ein bisschen zu professionell und mir fehlt der spontane und lebendige Drive und die Punkattitüde von München anno dazumal.
Aber: stimmlich ist der Herr Moreno noch voll da. Das ist dann doch schon auch ein klein wenig beeindruckend, muss ich sagen. Da hatte der Besoffski vor der Show und auf dem Klo also nicht ganz unrecht, als er die Frage stellte, die er gleich selbst beantwortete, wer denn der beste Sänger im Metal sei. „Chiiiinnnoooo Mooooorenooooo“ natürlich. Ich meinte ja etwas kleinlaut ob so viel „Malle ist nur einmal im Jahr“-Stimmuuuung, das sei wohl Ronnie James Dio (R.I.P.), aber im Vergleich zu dem hat Moreno natürlich den unverkennbaren Vorteil, noch ein Irdischer zu sein. Als solcher heute zu Gast in Stuttgart und trotz der beschriebenen faden Beigeschmäcker unterm Strich auch in sehr unterhaltsamer Form.
Jetzt ging’s ja aber immer nur um den. Was ist eigentlich mit seiner Band? Ja die, die war solide, wie man so schön sagt. Mir zwar ein bisschen zu statisch, was wiederum aber zur tieftönigen und emotionalen Musik der Deftones passt und was tatsächlich damals in München auch schon nicht anders war.
Auch noch interessant: die demographische Zusammensetzung des Publikums. Neben haufenweise alter Säcke wie mir waren da auch jede Menge Kids, die zu „Around The Fur“-Zeiten garantiert noch nicht geboren waren. Und wie waren die so drauf? Neben skateboarfahrenden Baggypantsträger*Innen sowie jede Menge unscheinbaren Normalos waren da auch ein paar hübsch bepinselte Gothic-Kids da. Bunte Mischung also und auf dem Erfolgslevel muss man wohl auch alle ansprechen. Oder eben andersrum!
Krass dann auch, wie quasi das Hallenlicht an- und die Tore aufgingen, während gefühlt noch der letzte Akkord ausklang. Auch hier: alles geplant, keine Zufälle, Profishow halt, aber auch ok so, weil Montagabend und so bekomme ich gerade noch so die letzte Bahn gen Esslingen. Metropolregion Stuttgart: mein Arsch! Und bei so viel Profitum beim Konzi darf wenigstens die DB weiterhin ein Saftladen sein.

