Manche Bands wachsen einfach ganz unauffällig. Erst sieht man sie als Support. Dann tauchen sie immer häufiger auf Festivalplakaten auf und irgendwann merkt man, dass sie sich längst einen festen Platz in der Szene erspielt haben. Genau so ging es mir mit Erection. Die Regensburger stehen seit Jahren für schnörkellosen Punk’n’Roll mit ordentlich Druck, eingängigen Melodien und einer sympathischen Portion Selbstironie. Dass sie dabei immer wieder Haltung zeigen, ohne jede Zeile zur Grundsatzrede werden zu lassen, macht sie umso interessanter. Für Aufmerksamkeit sorgte schon vor der Veröffentlichung von „Plug It In“ eine Personalie. Am Schlagzeug sitzt Vom Ritchie, vielen natürlich als Drummer der Toten Hosen bekannt. Solche Namen können schnell mehr Erwartungen als Nutzen erzeugen. Hier ist das Gegenteil der Fall. Sein Spiel fügt sich so selbstverständlich ein, dass man nach wenigen Songs gar nicht mehr darüber nachdenkt. Es klingt einfach nach einer Band, die richtig gut zusammen funktioniert.
Der Einstieg könnte kaum direkter sein. Der Titeltrack legt sofort los, packt einen am Kragen und gibt das Tempo für den Rest der Platte vor. Kein langes Intro, keine Spielereien. Einfach Gitarren, Schlagzeug und ein Refrain, der sich schneller festsetzt, als einem lieb ist. Überhaupt lebt das Album davon, dass es nie versucht mehr zu sein, als es sein will. Erection spielen Punkrock. Mal mit einer kräftigen Rock’n’Roll-Kante, mal etwas melodischer, aber immer mit einer Energie, die sich echt anfühlt. Die Produktion unterstützt das perfekt. Alles klingt druckvoll, ohne glattgebügelt zu wirken. Die Gitarren dürfen schmutzig sein, der Bass hat ordentlich Wumms und das Schlagzeug hält den Laden mit beeindruckender Selbstverständlichkeit zusammen. Auch beim Songwriting gibt es wenig zu meckern. „Hello Julia“ bleibt sofort hängen, „Kasse“ entwickelt einen schönen Biss und „Ich will mehr“ gehört für mich zu den Highlights des Albums. Der Song bringt dieses Gefühl auf den Punkt, sich nicht mit dem Status quo zufriedenzugeben, ohne dabei in klischeehafte Parolen abzurutschen.
Dass deutsche und englische Texte bunt gemischt werden, fällt kaum auf. Das wirkt nie konstruiert, sondern ergibt sich einfach. Genau diese Lockerheit zieht sich durch die ganze Platte. Und dann ist da noch dieser trockene Humor, der immer wieder durchblitzt. Spätestens bei „Colin Robinson“ oder „Gorilla Salad“ wird klar, dass sich Erection trotz aller Ernsthaftigkeit den Spaß an der Sache bewahrt haben. Das tut dem Album gut. Es nimmt sich wichtig genug, um etwas zu sagen, aber nie so wichtig, dass es verkrampft wirkt. Wenn überhaupt etwas fehlt, dann vielleicht noch ein letzter Song. Kaum hat man sich richtig eingehört, ist das Album schon vorbei. Andererseits, lieber knapp und ohne Ausfälle als künstlich gestreckt. Einen echten Schwachpunkt konnte ich jedenfalls nicht ausmachen.
„Plug It In“ ist kein Album, das das Genre neu definiert. Es muss auch nichts beweisen. Stattdessen liefert es zwölf Songs, die Lust auf den nächsten Durchlauf machen. Und wahrscheinlich noch mehr darauf, die Band live zu sehen. Genau das ist für mich das größte Kompliment, das man einer Punkrockplatte machen kann. Erection haben mit „Plug It In“ ein Album aufgenommen, das druckvoll, abwechslungsreich und vor allem ehrlich klingt. Mit Vom Ritchie am Schlagzeug gewinnt die Platte zusätzlich an Dynamik, ohne dass sein Name die Band überschattet. Am Ende bleiben vor allem starke Songs und das Gefühl, dass hier eine Band ihren eigenen Weg konsequent weitergeht.
Das Album könnt ihr euch direkt bei der Band im Shop oder bei dem Händler eures Vertrauens sichern. Neben dem wunderschönen rosa gibt es auch noch weitere Varianten.

