Juhuuu, endlich Kurze-Hosen-Wetter! Der vermaledeite Schal kann also endlich auf hoffentlich nimmer Wiedersehen im Schrank verschwinden. Wer dennoch nicht auf ihn verzichten möchte, dem sei das Debütalbum „Glitzerpunk“ von Gruppe Schal aus Magedburg empfohlen. Was für ein bescheuerter Einstieg in ein Review?! Da habt ihr absolut recht!
Ich kann da aber noch einen oben drauf setzen. Sollte das Magdeburger Quartett auf das andere „schal“ abzielen, so hab‘ ich eine klitzekleine Vorstellung davon, was es in Bezug auf seinen Sound und seine Musik damit meinen könnte. Ähnlich deppert, das. Nur bisschen subtiler vielleicht und um die wirren Worte hier irgendwie nachvollziehen zu können, müsst ihr euch „Glitzerpunk“ eigentlich anhören.
Die Gruppe Schal macht Musik, die tatsächlich etwas schal runtergeht. Ich meine das aber, anders als es sich nun vermuten lässt, gar nicht negativ. Vielmehr habe ich mit jedem erneuten Mal, das ich mir „Glitzerpunk“ anhöre, den Eindruck, die Band will das so. Diesen schwermütigen, zunächst auch schwer zugänglichen Sound. Diese Melodien, die bewusst weh tun – und doch so schön sind wie z.B. in „Gesang Der Alten“. Dieser genervt wirkende, vielleicht auch gelangweilte, gar überdrüssige Gesang von Per.
Die Gruppe Schal legt den Finger in die Wunde, die Gruppe Schal will den Finger in die Wunde legen. Und das darf dann auch weh tun. Und doch ist die Gruppe Schal auch das Heilmittel, spätestens, wenn sie den Druckverband in Form meines persönlichen Favoriten „Ich Muss Weg“ anlegt, Dieser Song, der nicht so recht zum Fehlfarben’schen Rest der Platte passen mag, verspricht eine bessere Welt, auch wenn diese nicht die unsere sein mag. „Ich muss weg, weg von hier. Raus aus dieser Welt. Zu einem anderen Ort, der mich nicht so quält.“ Zufall, oder ähnliches Kalkül (wie von mir, wie beschrieben, vermutet), dass ausgerechnet diese Textzeilen in einen wunderbaren Indie-Song verpackt sind?
Und dann ist da noch dieses andere Phänomen. Denn obwohl die Gruppe Schal einerseits so schwer zugänglich zu sein scheint, fesselt sie eine*n mit „Glitzerpunk“ geradezu in den Sessel, um dem Album zuzuhören und gleichzeitig zur Ruhe kommen zu können. Das ist irgendwie Voodoo, oder so. Muss man selber erleben, um es zu spüren.
Ich empfehle daher dringend den Erwerb von „Glitzerpunk“, die Qual bei gleichzeitigem Genuss, dieses Album anzuhören. Fans der Bands Ben Racken und Peppone müssen sowieso ran, schließlich gibt es personelle Überschneidungen mit der Gruppe Schal. Diese hat „Glitzerpunk“ in Eigenregie veröffentlicht und deshalb bekommt ihr das Album auch am besten bei ihr. Macht euch auf was gefasst! Das hier ist keine gewöhnliche Punkplatte – und genau das macht sie so wertvoll.

