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Home Reviews Vinyl 12inch

IDestroy – We Are Girls

(Punk, Girl-Punk / self-released)

by Martin B. Wagner
18.06.2026
in 12inch, Reviews, Vinyl
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IDestroy - We Are Girls

IDestroy - We Are Girls

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Ja, ich gebe es zu, ich betreibe Infinite Scrolling. Dadurch bin auf TikTok eher zufällig – Dank geht raus an den Algorithmus – auf eine mir zuvor unbekannte Punkband gestoßen, nämlich auf IDestroy. Zwischen den vielen Videos erschien ein kurzer Clip mit ihrer Musik, der mich sofort anfixte. Aus Neugier hörte ich mir anschließend weitere Songs an und war begeistert.

Die Band

Nach Begeisterung folgt Album und ich entschied mich direkt für das Debutalbum We Are Girls. Doch jetzt erst einmal zur Band. IDestroy ist eine Punk- und Alternative-Rock-Band aus Bristol, bestehend aus Bec Jevons (Gesang/Gitarre), Nicola Wilton-Baker (Bass) und Jenn Hills (Schlagzeug). Die Band wurde 2015 gegründet, ist für ihre energiegeladenen Live-Auftritte bekannt und behandelt in ihren Songs häufig gesellschaftliche Themen wie Sexismus und mentale Gesundheit.

Das Album

Ihr Debütalbum „We Are Girls“, um das es hier geht, erschien 2021 und zeigt eine Mischung aus rauem Punk, Riot-Grrrl-Energie und eingängigen Melodien. Das Album mit den zehn Songs ist als CD und als Vinyl erhältlich. Letzteres sogar als auf 525 Exemplare limitierte Auflage mit transparent-matter, pink-blauer Splatter-Optik. Hier gibt es sogar einen Bonustrack. Die Mädels haben das Album ohne Label aber mit Unterstützung von Jay Hills, der fürs Mixen und die Aufnahme zuständig war, veröffentlicht.

Die Songs

Den Auftakt macht „G.O.D.“. Der Song thematisiert die Diskrepanz zwischen Online-Darstellung und Realität und die Spannung zwischen übertriebenen Social-Media-Attitüden und dem echten Leben. Musikalisch bekommen wir einen energiegeladenen Rocksong mit aggressiven Vocals, rasenden Beats und wilden Riffs. Er wirkt wie eine wütende Hymne voller Intensität und Dringlichkeit.

In „Petting Zoo“ geht es nicht um Tiere, sondern darum, dass Frauen als Objekte gesehen und deshalb betatscht werden. Mit Kraft und Wut singt und spielt die Band gegen die sexuelle Belästigung und macht deutlich, dass die Wahl der Klamotten keine Einladung ist. Musikalisch spürt man die Wut mit den bereits erwähnten Beats und Riffs.

„We Are Girls“ ist der dritte Song des Albums und der Namensgeber. Hier zeigen die Frauen noch mehr Kraft und machen deutlich, dass sie sich von Männern nichts gefallen lassen und so laut, kritisch und wütend sind, wie sie eben sind. Abermals ein musikalisch harter Song, der mitreißt.

In „Lemons“ sind es die Gitarrenriffs, die mitreißen und den Song anheizen. Inhaltlich kritisiert der Song Menschen für deren dauernde schlechte Laune, für deren Andauerndes so schauen, als hätte man gerade in eine Zitrone gebissen. Hier gibt es auch Kritik am Schönheitswahn, aber noch gut getarnt.

  
Wieder energiegeladen, am Anfang zwar etwas ruhiger aber im Refrain wieder umso lauter wird es bei „Death Party“. Mitreißend entführt uns der Song in die Zeit der Pandemie und hinein in eine Party, um das Leben zu feiern. Das Ende gibt es dann einige dumme Arten abzutreten.

„Cheap Monday“, das erste Lied der B-Seite, zeigt uns das Jungbleiben, egal wie alt man ist, und egal, wie sehr die gesellschaftlichen Konventionen uns auch in eine Ecke drängen wollen, cool ist. Flott aber nicht zu hart, haben wir hier eher einen Song zum runterkommen.

Melodischer und eher mit Schlagzeug im Vordergrund geht es in „Sick Friend“ um eine Zwangsstörung, die einen immer wieder dazu bringt, bestimmte Dinge zu brauchen oder besser gesagt, selbst davon überzeugt zu sein, diese Dinge zu brauchen. Ein tiefgründiger Song.

Schreiend und wieder mit harten Riffs geht es über zu „Swim“. Der Song erzählt die Geschichte einer Person, die ganz viel bereut und viele dumme Dinge tut und schon getan hat, sich aber immer noch selbst mehr liebt als andere.

 

„The Young & Wasted“ kritisiert Influencer, gecastete Bands und die, die sich davon beeinflussen lassen. Die Band macht deutlich, dass sie nicht bereit sind alles zu tun, um berühmt zu werden. Harte Arbeit und Inhalte müssen reichen.

„Let’s Play With Knives“ setzt die Geschichte aus „Swim“ inhaltlich fort. Diesmal geht es um eine Beziehung, die durch irgendetwas, vielleicht eine bestehende Partnerschaft behindert wird und in der es eigentlich nur um das eine geht und dabei doch so viel zerstört wird. Musikalisch wird der Song durch den Gesang und abermals die Riffs getragen.

„Jellyfish“ (Bonus Track) ist der gelungene Abschlusstrack. Musikalisch bleibt man sich treu, nimmt sich aber zugunsten der Sängerin zurück. Thematisch geht es um Mistkerle und Miststücke, die nur an sich selbst denken und man eigentlich sofort durchschauen müsste.

 

Elf Songs die es in sich haben, sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Das ist Girl-Punk in Reinform und macht Lust auf mehr. Handwerklich kann die Platte komplett überzeugen, hier weiß jede was sie tut und hätte ich mich nicht bewusst für das Debutalbum entschieden, ich hätte es nicht als solches erkannt, so professionell, so gut ist es geworden. Hut ab dafür.

 

Fazit

IDestroy ist eine Girl-Powerband mit punkigen Texten und lauter, punkiger Musik mit harten Gitarrenriffs. Das Debutalbum kann von Anfang bis Ende überzeugen und wirkt nicht wie ein Debutalbum, sondern eher wie das dritte oder vierte Album einer etablierten Band. Großartig. Danke nochmal an den Algorithmus.

 

Wer jetzt so angefixt ist wie ich, der kann hier zuschlagen.

 

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Tags: DIYGirl-PunkGrrl-PunkIDestroyPunk
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