In den Peergroups, in denen ich musikalisch sozialisiert wurde, war Ska-Punk immer recht hart verpönt. Bäh, all die Tröten und die gute Laune. Kaum auszuhalten! Und live und spätestens nach vier Bier hat’s dann doch immer wieder den einen oder die andere gepackt. Nun, was mich betrifft: natürlich will man sich als junger Mensch nicht selbst ins Abseits stellen bei seinen Kumpels, aber immer wieder und so nebenbei hat es schon die ein oder andere Platte klammheimlich in meine Sammlung geschafft. Mad Caddies, Voodoo Glow Skulls, The Busters,… und beim Altmeister und Wegbereiter Laurel Aitken bin ich sogar noch kurz vor dessen Ableben auf’m Konzi gewesen. Vier Bier konnt‘ ich auch schon immer trinken, falls ihr versteht, was ich meine…
Damit nun zu No Respect aus Göttingen, die mir bis dato gänzlich unbekannt waren. Die zu kennen wäre dann vielleicht etwas zu viel des Guten und damit uncool gewesen in den Peergroups, haben sie es doch vermutlich nie bis ganz oben an die Ska-Punk-Spitze geschafft. Tja, und jetzt ist es leider zu spät, denn das Sextett hat sich bereits vor laaanger Zeit, im Jahre 2008 aufgelöst. Warum also jetzt die „Before I Go – Best Of“ auf Mad Butcher Classics?
Die Antwort gibt die Band im aufwändig aufgemachten Gatefold selber. Demnach sei sie der Meinung, dass sie damals schon Zustände besungen habe, die heute noch krasser eingetroffen seien. Oder wie No Respect das kommentieren: „Für diesen Mist hat nicht mal unsere Phantasie gereicht!“ Und auch ohne dass ich mir die zwei doppelseitig bedruckten Textbeilagen durchlese, höre ich beim Genuß der vier bespielten Vinylseiten in absoluter Regelmäßigkeit eindeutige und unverkennbare Vokabeln heraus, die dies bezeugen können, vielmehr aber, was man laut No Respect denn so machen könnte.
Die Band schreit förmlich nach und für Anarchie, Rebellion, Revolution. No Respect eben. Klar, ein bisschen Party, vielleicht mitunter auch ein bisschen platt, muss aber schon auch sein. „People say I drink to much. They say I am on a Punk Rock collision course,“ heißt es da in „Unadjusted“ äußerst prägnant. Das ist gut so, können wir den Niedergang gewisser Personen des, nennen wir es mal, öffentlichen Interesses nicht auf legale Weise beschleunigen, genauso wenig, wie wir es hoppladiehop schaffen werden, gewisse niederträchtige Haltungen und Meinungen sowie deren parteiliche Sammelbecken zu entfernen und da hilft es doch manchmal ungemein – und wenn auch nur für einen Augenblick, einen Abend, ein paar schöne Stunden – die Sau rauszulassen.
Zumal zu solcher Musik, die ich live (mit vier Bier im Schädel…) garantiert feiern würde, die für mich aber auch auf Platte in Ordnung geht, zumal die Macher der Best Of diese so schön herrlich und akurat für uns angeordnet haben. So folgen nacheinander und schön brav chronologisch insgesamt 21 Songs der vier No Respect-Alben „Excuse My Smile“ (1997), „Tunes Of Decline“ (2000), „Confidence“ (2002) und „Unadjusted“ (2005). Das nenne ich mal ein Zeitdokument in Perfektion. Und Zeitdokumente haben immer ihre Daseinsberechtigung, denn sie dienen der Bildung, mindestens aber der Aufklärung – oder wie in diesem Fall auch: dem Entertainment.
„Before I Go – Best Of“ erscheint in diversen tollen Varianten, die ihr allesamt am besten im Shop von Mad Butcher Records erhalten könnt. Ich möchte mich an dieser Stelle dafür bedanken, dass mir das Label die auf läppische 50 Stück limitierte Deluxe-Version mit all den tollen Gimmicks, die ihr auf den Fotos unten sehen könnt, zur Verfügung gestellt hat. Vielleicht wussten die ja von meiner musikalischen Früherziehung und wollten mich deshalb ein wenig bezirzen? Nee, nee, liebe Leute von Mad Butcher, bin mittlerweile selber groß und emanzipiert genug, um aus freien Stücken sagen zu können: No Respect – „Before I Go-Best Of“ ist ein tolles Stück Ska-Punk und subkulturelle Musikgeschichte, das sich zu haben und zu hören lohnt. Auch ohne vier Bier im Schädel!

