Nach „Pt. 1 & Pt. 2“ (mein Review gibt es hier) war ich gespannt, wohin die Reise für BRACH weitergeht. Mit „Plastic Lights“ liefern die Jungs vier neue Songs ab, die für mich zeigen, dass sich seit dem Vorgänger etwas getan hat. Der Sound ist schwerer, düsterer Hardcore mit ordentlich Druck und gleichzeitig wirkt das Ganze musikalisch weiterentwickelt. BRACH bleiben ihrer Linie treu, klingen dabei aber keineswegs so, als würden sie einfach nur das bisherige Rezept noch einmal aufwärmen. Was mir besonders gefällt, ist das Zusammenspiel der Gitarren. Die harmonieren im Gesamtbild richtig gut und geben den Songs genau die richtige Schwere. Hier geht es nicht darum, möglichst viel Lärm zu veranstalten oder mit der Brechstange auf alles einzudreschen. Der Sound drückt ordentlich, bleibt dabei düster und entwickelt eine Atmosphäre, die sich durch das gesamte Tape zieht. Der Hardcore wirkt schwer und direkt, ohne dass die einzelnen Elemente einfach nur zu einer undurchdringlichen Wand verschwimmen. Gerade dieses Zusammenspiel macht für mich einen großen Teil des Reizes aus.
Schon beim Vorgänger war der raue Charakter von BRACH ein wichtiger Bestandteil des Gesamtbildes. Auf „Plastic Lights“ habe ich allerdings das Gefühl, dass die Jungs noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht haben. Der Sound wirkt auf mich konsequent und geschlossen, die Gitarren greifen ineinander und das Ganze bekommt dadurch ordentlich Gewicht. Es ist keine komplette Neuerfindung, sondern eine Weiterentwicklung, die sich für mich genau richtig anfühlt. BRACH müssen hier niemandem etwas beweisen und auch keinen unnötigen Schnickschnack auffahren. Die vier Songs sprechen für sich. Auch das Format passt wieder hervorragend zum DIY Gedanken der Band. „Plastic Lights“ erscheint als gelbe Kassette, veröffentlicht von Krachige Platten, Dingleberry Records und BRACH selbst. Die auf 100 Exemplare angelegte Auflage kommt mit handnummeriertem Cover, einem kleinen DIY Zine mit den Lyrics und einem Sticker mit dem Covermotiv. Das Design und Layout stammen ebenfalls von der Band. Aufgenommen wurde das Material im September 2025 von Stefan Ritter, für Mix und Mastering war Jan Oberg im Hidden Planet Studio zuständig. Ein liebevoll zusammengestelltes Gesamtpaket, bei dem die Beteiligten offenbar nicht einfach nur ein paar Songs auf ein Band spulen wollten.
Mit gerade einmal rund zehn Minuten ist „Plastic Lights“ natürlich schnell vorbei. Bei vier Songs sehe ich allerdings auch keinen Grund, künstlich einzelne Favoriten herauszupicken. Für mich funktioniert das Tape als Ganzes und genau so möchte ich es auch hören. BRACH liefern schweren, düsteren Hardcore mit ordentlich Druck und einem Gitarrenspiel, das sich hervorragend ins Gesamtbild einfügt. Die Weiterentwicklung ist hörbar, ohne dass die Band ihre bisherige Ausrichtung über Bord wirft. Kurz, intensiv und auf den Punkt. Manchmal braucht es eben keine halbe Stunde, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Das schöne gelbe Tape, bekommt ihr direkt bei der Band oder über Provinzpostille.
