Wer beim Titel „Wellness Ward“ an Bademäntel, Gurkenscheiben auf den Augen und entspannte Klangschalen denkt, dürfte bei Mantarochen ziemlich schnell feststellen, dass er sich im falschen Behandlungszimmer befindet. Hier gibt es keine Tiefenentspannung, sondern fünf Songs zwischen Post-Punk, Cold Wave und Dark Wave, die ihre ganz eigene Atmosphäre entwickeln. „Wellness Ward“ ist am 26. Juni 2026 erschienen und kommt digital sowie als auf gerade einmal 50 Exemplare limitiertes Tape über It’s Eleven Records. Knapp 14½ Minuten dauert der kleine Ausflug in die etwas dunklere Ecke der musikalischen Wellnesslandschaft und die vergehen erstaunlich schnell.
Mit „Hotel Hell“ geht es los und der Titel passt eigentlich schon ziemlich gut zum Grundgefühl der EP. Mantarochen verbinden hier eingängige Melodien mit einem rohen Bandsound, der angenehm weit davon entfernt ist, alles klinisch sauber zu polieren. Das Ganze hat Atmosphäre, ohne sich darin zu verlieren. „Better Than It Seems“ schlägt anschließend in eine ähnliche Kerbe und zeigt, dass die Band durchaus ein Gespür für Melodien besitzt, die sich festsetzen, ohne dabei ihre leicht düstere Grundstimmung zu verlieren. „Soft Collapse“ macht seinem Namen alle Ehre und bringt eine gewisse Zerbrechlichkeit ins Spiel, während „Separate Ways“ wieder etwas mehr Zug entwickelt. Und dann wäre da noch „Bored To Death“, ein Titel, bei dem man eigentlich schon ahnt, dass Langeweile hier eher thematisiert als erzeugt wird. Denn genau das ist für mich ein großer Pluspunkt dieser EP. Trotz der insgesamt eher dunklen und unterkühlten Atmosphäre bleibt das Ganze abwechslungsreich genug, um mich über die komplette Spielzeit bei der Stange zu halten.
Was mir an „Wellness Ward“ besonders gefällt, ist die Mischung aus Melodie und Rohheit. Post-Punk, Cold Wave und Dark Wave können schnell in eine sehr glattgezogene, künstlich kühl wirkende Richtung abdriften. Mantarochen lassen dagegen hörbar noch etwas Leben, Kante und Dreck im Sound. Dadurch fühlt sich die EP nicht wie ein perfekt eingerichtetes Museum für dunkle Musik an, sondern eher wie ein Raum, in dem tatsächlich jemand gerade seine Verstärker angeschmissen hat. Und auch hier tue ich mich schwer damit, einen einzelnen Song als persönlichen Favoriten herauszustellen. Nicht, weil die Stücke austauschbar wären, sondern genau im Gegenteil. Alle fünf funktionieren für mich vollkommen klar. Jeder Song trägt seinen Teil zum Gesamtbild bei und keiner fühlt sich wie ein Lückenfüller an, den man eben noch auf die Kassette gepackt hat, damit beide Seiten ein bisschen voller aussehen.
„Wellness Ward“ ist damit ein schönes Beispiel dafür, dass eine EP nicht unbedingt zehn oder zwölf Songs braucht, um hängen zu bleiben. Mantarochen nehmen sich knapp 14½ Minuten Zeit, bauen daraus ihre eigene kleine dunkle Klangwelt und lassen mich am Ende mit dem ziemlich angenehmen Gefühl zurück, gerade eben doch eine Form von Wellness bekommen zu haben. Nur eben eine, bei der das Licht gedimmt ist, die Wände ein bisschen feucht sind und aus dem Nebenraum garantiert niemand „Namaste“ sagt. Fünf Songs, kein Ausfall und ein Tape, das mit seiner Mischung aus Post-Punk, Cold Wave und Dark Wave bei mir komplett funktioniert. „Wellness Ward“ ist vielleicht nicht die klassische Erholungskur, aber definitiv eine, zu der ich gerne noch einmal zurückkomme.
Das Tape ist über die Band bereits ausverkauft, allerdings bekommt ihr bei It´s Eleven Records noch was für´s Tapedeck.
