Okay, Leute, lasst uns über Post-Rock reden, der sich nicht wie die 47. Kopie von „irgendwas mit Crescendo“ anfühlt. Hinter Those Who Ride With Giants steckt eigentlich nur ein Typ: MJ Callaghan aus Australien, der komplett instrumentale, filmreife Klanglandschaften baut, als hätte er nie was anderes gelernt. Macht auch Sinn, der Mann komponiert nebenbei Filmmusik (u.a. für „RIDE“ und das kommende „Clean Hands“), und dieses Gespür für Timing, Bögen und emotionale Dramaturgie hört man „Serene“ ziemlich deutlich an – das Album fühlt sich streckenweise an wie ein Soundtrack zu einem Film, den’s gar nicht gibt.
Zwölf Songs, alle mit diesen leicht pathetischen „The…“-Titeln („The Undercurrent Of Rage“, „The Courage To Let Go“ – ja, sehr dramatisch, aber irgendwie passt’s zum Gesamtbild), und musikalisch geht’s tatsächlich in eine ungewohnt helle Richtung. Nach den eher melancholischen bis düsteren Vorgängern „Forlorn“ und „Numinous“ fühlt sich „Serene“ fast schon optimistisch an. Sowas wie Staunen statt Weltschmerz, Entdeckerfreude statt Grübelei. Die Band selbst beschreibt’s als Reise durch unentdecktes Land voller zarter und monumentaler Kreaturen – klingt kitschig, hört sich aber tatsächlich genauso an, im positiven Sinne.
Trotzdem bleibt’s episch: Gitarrenwände, orchestrale Schichten, ambiente Ruhepausen, dann wieder dieser typische Post-Rock-Bombast, der einen emotional komplett plättet, ohne ein einziges Wort zu benutzen. Selbst die intensiveren, härteren Momente behalten diese melodische Eleganz, verlieren sich nie im reinen Lärm. Das Artwork passt übrigens auch super dazu – deutlich wärmer und einladender als die vorherigen Cover von Those Who Ride With Giants.
Ist es innovativ? Nö, nicht wirklich, das Genre kennt seine Regeln (Crescendo hier, leiser Break da, alles wieder von vorne) und Callaghan hält sich größtenteils dran. Aber verdammt, er macht’s gut, und nach mittlerweile vier Alben hat er sein eigenes kleines cineastisches Universum gebaut, in dem man sich als Hörer richtig gerne verliert. Wenn man Bock auf Kopfhörer, geschlossene Augen und ein bisschen „ich fühle gerade sehr viel, ohne genau zu wissen warum“ hat – bitteschön, „Serene“ liefert das zuverlässig.
Herausgekommen ist das Vinyl auf Moment Of Collapse Records und über folgenden Link zu erwerben:
THOSE WHO RIDE WITH GIANTS – SERENE
Viel Spaß beim Hören und Entdecken!

