Der folgende Beitrag müsste eigentlich irgendwie diesen depperten „Parental Advisory – Explicit Content“-Kleber tragen, wäre das digital irgendwie möglich. Wäre aber voll ’90er und außerdem seid ihr doch alle alt genug, gelle?! Der Grund für den Warnhinweis: auch dieses Jahr haben wir, die Neat Mentals, wieder eine neuntägige Butterfahrt unternommen, dieses Mal zusammen mit unseren Freunden Noise Church aus Ulm. Und auch dieses Mal diente diese Butterfahrt dazu, dass sich sieben, eigentlich kerngesunde junge Männer, bei – zumindest zu Beginn der Tour noch – vollem Bewusstsein ihre Gesundheit ruinierten. Getarnt als semiprofessionelle Handballmannschaft im dankbar zur Verfügung gestellten Monstervan von Tommy’s Sportshop reisten unsere wackeren Helden durch gleich vier mautpflichtige Länder und somit über fünf Landesgrenzen, ohne dass auch nur ein hochmotivierter Uniformträger sie belästigt hätte. Wäre es dazu gekommen, so hätte ich kein Alkoholtestgerät sein wollen. Wäre womöglich Schwerstarbeit gewesen, die Restfahnen ertragen zu müssen.
Na gut, ganz ohne Kontakt zu irgendwelchen Ordnungshütern ging es dann doch nicht, war aber eher ärgerlich, denn tourgefährdend. Diese und noch ganz andere nette Geschichten könnt ihr – aus meiner rein subjektiven Wahrnehmung der Geschehnisse – im folgenden Bericht über die „Neat Noises Tour 2026“ lesen. Viel Spaß!
24.04.2026 Wien – Ask A Punk
Sollte der Ort des Geschehens vor der Tour geheim gehalten werden, so kann ich euch den konsequenterweise auch danach nicht verraten. Höchst illegal, das Ganze. Na gut, Wien war’s. Das kann ich verraten. Und damit eine Premiere für uns, haben wir es doch im zwölften Jahr unseres tristen Daseins endlich mal in die Alpenrepublik geschafft. Klar, der größte Höllenritt gleich am ersten Tag, hat der Pete aber im Alleingang und auf einer Arschbacke runtergerissen. Klar, am Tag 1 war ja auch noch kein Alk im Spiel, zumindest nicht, bevor wir in Bayern waren. Immerhin. Und ab und an hat der Pete dann doch ganz heimlich und neidisch rübergelinst. Nach zehn Stunden angekommen, erst mal rein und Tourfeeling aufsaugen. Geil! Es geht los! Essen topp, Bier auch, Leute sowieso. Die lokalen Glass Armor eröffneten den Abend mit akzeptablem Hardcore. Ganz nett, so zum warm werden. Lotti Bigotti sind dann die erste positive musikalische Überraschung der Tour. Das Quartett aus Budapest bietet Synthie-Garage-Punk mit eigenwilligem Sound und hohem Unterhaltungsfaktor. Unterhaltsam auch, wie die da vorhin ankamen. Keine Ahnung, wie die all diese Menschen samt deren Equipment in den altersschwachen Sportwagen bekamen? War ’ne Karre mit Keller, oder so. Dann wir und Noise Church und es macht schon Laune bei ’nem spitzen Bühnensound. Die Aftershowparty bei 3 bis 13 Esspresso-Martinis am Solistand und ein paar netten Gesprächen verlief eigentlich ganz moderat. Oder aber, wir sind schon jetzt gut eingepegelt. Dennoch schafften wir es trotz meinem trotzigen Gequängel am nächsten Tag nicht, den Herrn Hölzel, aka Falco, an dessen letzter Ruhestätte zu besuchen. Mir wird schon wieder Angst und Bange! Wird auch heuer wieder der Partymodus über den halbgaren Wunsch nach Kultur siegen? Na gut, wenigstens nehmen wir so ziemlich jede dieser abgefahrenen Oldtimertanken auf dem Weg nach Bella Italia mit. Also auf zur nächsten Premiere: den ersten Konzerten im Stiefelland! Danke an Jey und Martin für’s uns haben und hosten!
Bild 1: Gott sei Dank sind die bewaffnet. Die Knarre werden wir in Mailand noch gebrauchen können! Bild 2: jetzt schon grenzdebil, oder was?! Bild 3: Bitte noch einmal vor Abfahrt die Alkoholfahnen rauslüften. Hier kommt gleich ’ne Handballmannschaft! Bild 4: Zustand: akzeptabel, kann sich aber noch ändern.
25.04.2026 Gorizia – Klub 27
Ein Glück sind alle in unserer Seniorentruppe schon längst jenseits der 27. Ansonsten wäre die Gefahr groß gewesen, dass wir dem Namen des heutigen Venues alle Ehre machen und uns in die Reihe der Winehouses und Cobains einreihen. Fast das doppelte der Gage zu versaufen… Junge, Junge, wie soll das bloß enden. Das böse Erwachen kam aber erst am Morgen danach. Vorher gab es aber noch einen famosen und definitiv auch kuriosen Abend zu bestreiten. Der Klub 27 ist so ganz nach meinem Gusto. Ein kleiner, nein, ein wirklich kleiner Rockladen mitten in der Fußgängerzone von Gorizia. Bei Ankunft erst mal davor rumlümmeln und die ersten Humpen leeren. Urlaub halt! Aus Platzgründen spielen die Drummer heute auf einem E-Drumset. Sieht schon affig aus, funktioniert aber erstaunlich gut. Während die komplette Noise Church mit ihren drei Priestern noch auf die „Bühne“ passt, muss ich für unser Konzert in das Schaufenster gegenüber ausweichen. Klar, immer auf die Dicken! Schon irre witzig, die werten Kollegen mal frontal bei der Arbeit beobachten zu können. Aber hey Jungs, die Gehaltserhöhung könnt ihr knicken, hahaha! Die Crowd dann wie Moses zwischen der geteilten Bühne, weiß gar nicht so recht wo hingucken und entschließt sich deshalb einfach für’s Tanzen. Geile Show, geiles Erlebnis, geiler Urlaub. Spätestens als uns Gastgeberin Martina unsere bescheidenen Schlafgemächer direkt am Marktplatz zeigt. Für so ’ne Bude müsste man in Stuttgart schon mindestens das Gehalt vom ollen Daimler-Vorstandsvorsitzenden haben. Da ist das dann auch verschmerzbar, dass wir in Gorizia ’ne finanzielle Nullrunde drehen. War geil, will ich wieder hin! Grazie Mille, Martina
Bild 1: die Noise Church versucht den Klub 27 zu missionieren. Bild 2: Der Affe im Schaukasten Bild 3: War schon ’ne Gaudi! Bild 4 und Bild 6: Oh Gott! Zwei von uns hat’s erwischt! Die gehören jetzt zum Klub 27! Bild 5: Ein Glück! Der Morgen danach und es haben doch alle überlebt!
26.04.2026 Liedolo – Punky Reggae Pub
Auch heute hilft’s Gequängel nichts, auch wenn der Pete mit einstimmt. Nix da Mare, obwohl nur eine halbe Stunde davon entfernt! Ab an die Arbeit, ihr Pack! Pünktlich wie die Maurer und quasi zum Drei-Uhr-Bier treffen wir im Punky Reggae Pub in Liedolo ein. Gastgeberin Lea sowie die zwei lokalen Acts The Lyes und AK-Toys sind auch schon da und erstmal ein freudiges Ciao an alle. Der Laden hier scheint das Mekka für unseren Tross zu sein: Konzertlocation und Pizzeria in einem! So gehört Italien! Dumm nur, wie sich später herausstellen sollte, dass die meisten tatsächlich wegen der – by the way megageilen – Pizza kamen und nicht wegen den Bands. Zumindest nicht wegen den zwei Krautbands. Bei den mit angenehmem bis gutem Poppunk à la The Queers eröffnenden The Lyes ist’s okay gefüllt für eine Matinée-Show in the middle of nowhere, bei den lokalen AK-Toys geht die Sause dann zu meinem Unverständnis so richtig ab. Musikalisch belangloser bis schlechter 3-Akkorde-Punk, dazu noch deppert verkleidet. Sorry, aber das war nix! Lustig scheinen sie aber zu sein, die Mannen auf der Bühne. Zumindest lacht der Pulk, der des Italienischen mächtig ist. Erst mal Pizza rein, um das hier zu verdauen. Wie gesagt, die meisten anderen Gäste sahen das dann auch so, nein, die hatten halt Hunger. Ist ja auch zu gut, das Wetter hier im Urlaub und so spielen Noise Church und wir halt vor rund 15 Nasen, während draußen 50 Mäuler essen. Kann man machen nix, trotzdem ein schöner Abend und insgesamt schon gute Laune. Gut, den Depp, der sich dann als Meloni-Anhänger geoutet hat, den hätt’s heut‘ nicht gebraucht. Aber um ehrlich zu sein, war es doch nur eine Frage der Zeit, bevor man hier mal auf so ’nen Vollpfosten trifft. Genächtigt dann in einer tollen Ferienwohnung mit Monsterterrasse auf der es sich den Abend gut ausklingen ließ. Grazie Mille, Lea!
Bild 1: Erst mal schön Sektchen zum Empfang! Bild 2: Scheißen ist hier echt ’ne Leistung. Bild 3: Sorry, aber das war echt nich‘ so geil. Bild 4: The Lyes Bild 5: Punky Reggae Pub, Liedolo/Bella Italia Bild 6: Nochmal Bella Italia!
27.04.2026 Mailand – Ponte Della Ghisolfa
Und weil es gestern eben so schön gediegen zuging, konnte man heute doch auch recht frisch und munter in den Tag starten. Ab ins Moloch von Mailand. Unterwegs noch kurz das Interview für ein namhaftes deutsches Fanzine gegeben, so richtig Business-like, hahaha! Dort angekommen, erst mal kurz ins Straßencafé, Bierchen trinken, Pizza essen. Macht man hier doch so, oder? Und da sitzen sie nun, sieben unbescholtene Bürger, die ihr sauer verdientes Geld im Meloni-Land liegen lassen wollen. Die Bullen hier sehen das wohl anders, was genau, ist mir aber bis heute ein Rätsel. Passkontrolle, ein paar unbeholfene Fragen auf Englisch, deren von uns ebenfalls auf Englisch gegebene Antworten dem dumm dreinblickenden Ordnungshüter eh unverständlich zu sein scheinen. Beispiel gefällig? „Is this a German passport?“ „Äh, entschuldigen Sie mal, junger Mann. Wo haben Sie denn bitteschön ihre Berufsausbildung genossen? Hat man da nicht zunächst mal Lesen gelernt?“ Offensichtlich scheinen die Bullen hier den Eindruck zu haben, sie hätten hier ein paar richtig fiese Burschen aufgerieben. Die holen allen Ernstes noch Verstärkung und plötzlich stehen da vier solche Vögel im Kreis um uns herum. Der eine daddelt privat auf dem Handy rum. „Hee Sie da, was würde da die olle Meloni sagen, wenn sie sehen würde, womit Sie hier die wertvollen italienischen Steuergelder verschwenden?“ Die anderen drei Dummbatzis brauchen umständlich lang, um unsere Personalien zu checken und irgendwie wirken die dann etwas geknickt, dass die uns halt einfach nichts anhaben können. Endlich ziehen die dann Leine und das Ganze war halt einfach nur lästig. Ok. Weg hier. Macht so ja keinen Spaß. Skurril dann: als wir dort sind, wo wir eigentlich denken, dass wir da sein sollen und uns im Kiosk nochmal mit einem Bierchen auf den Schrecken von eben eindecken, spricht uns ein Mann mittleren Alters an, ob wir die Schwerverbrecher gewesen seien, die da eben von der Polente kontrolliert worden sind? Damit ihr das verstehen könnt: wir sind inzwischen mindestens zwei Kilometer weg vom Tatort und das Kapitalverbrechen des im Café Sitzens ist gerade mal ne halbe Stunde her! Jaja, solche Ereignisse würden hier schnell die Runde machen. Ok, der Buschfunk hier in den Mailänder Suburbs scheint also blendend zu funktionieren. Lass uns also lieber arbeiten gehen, bevor hier noch mehr passiert. Rüber über die Straße und hoppla, wir sind hier erst mal im falschen Venue. Hier soll später geschlafen werden, gespielt aber wird woanders. Bis sich das geklärt hat, versuchen wir aber schon mal, das hocheffiziente Nummernschloß zu knacken, das das Anwesen vor allerlei Gesocks schützen soll. ACAB? 1312? Zu offensichtlich. Kann ja nu alles oder nichts sein, ne?! Lass mal Safeknacker Tino ran. Tadaaa, der Mann braucht gerade mal zwei Versuche und zack, sind wir drin! Der kommt doch sicherlich auch ins Pentagon, oder?! Er hat jedenfalls eine logische, weil irgendwie auch punkige Erklärung für seine Kombiwahl. Mehr verrate ich aber nicht. Ist quasi ein Mailänder Squatgeheimnis. Situationskomik und die Freude ist groß. bringt aber nix und sperr‘ den Laden wieder ab. Wir müssen ganz woanders hin. Dort dann halt leider ein bisschen spät und Eile ist geboten. Die Krauts stellen die komplette Backline und hier sollen heute an einem Montagabend vier Bands über die Bühne gepresst werden. Klappt dann auch alles und gemessen daran, dass heute so ziemlich der unliebsamste Tag der Woche ist, ist auch ok was los und neben uns werden die lokalen Bands CNTRVLR mit ihrem Mix aus Leatherface und Hüsker Dü und die Crust-Teens von Improvised Weapons allesamt mit höflichem, aber auch ernst gemeintem Applaus bedacht. Hätte also nach den Strapazen des Tages alles noch so schön gemütlich enden können, wäre da nicht dieser vollgekokste Solariumspacko gewesen, der sich mit so ziemlich jeder anwesenden Person angelegt hat. Aber hey, der Mann hat ja auch schon was erlebt. „I saw Metallica in Moscowww“ und „I was drrrunk with Kurt Cobain in Rrroma“ waren da nur mal exemplarisch zwei bahnbrechende Erlebnisse, die das Kokain in seinem Kreislauf zu berichten wusste. Federico, der Tausendsassa-Veranstalter des heutigen Abends (zuständig für alles von der Pasta bis zur PA) hat den Mistkerl mit ’nem italienischen Pornodarsteller verglichen, der ihm und allen heute den Abend verdorben habe. Ja, das klang schon plausibler als ein Treffen mit Kurt Cobain. Schade! Nach so viel Stress erst mal wieder rüber, Schloss knacken und noch ’nen Absacker auf dem Squathof getrunken. Irgendwann ist dann auch mal gut, wenn so ein Tag mal zu Ende geht! Grazie Mille, Federico!
Bild 1: So sieht’s aus! Bild 2: Endlich Feierabend nach so vielen Überstunden heut‘! Vorher war aber noch so einiges los: Bild 3: So sehen Schwerverbrecher aus. Deswegen kommt jetzt auch gleich die Polente samt Verstärkung! Bild 4: Gute Schlafhygiene ist extrem wichtig. Gerade auf Tour! Bild 5: Neat Mentals in Milano.
28.04.2026 – Day Off in den französischen Alpen
Puh, das war ’ne Nummer gestern, was?! Gott sei Dank ist heute frei! Kurz noch bisschen Touriprogramm in Milano und dann ab nach Aix-Les-Bains straight durch den wohl teuersten Tunnel der Welt (78€ Maut für ein paar Kilometer Röhre!!). Trotzdem gute Stimmung an Bord der MS Sportshop und ab ins Wellness-Hotel. Die Trottel aber wieder viel zu spät únd Wellness hat schon zu. Die Hotelbar angeblich auch und noch viel angeblicher sei das Restaurant restlos ausgebucht. Äh, excusez-moi, Mademoiselle, aber da sitzt doch keine Sau! Na ja, schon verstanden. Wir stinken halt und haben Tattoos. Schon klar, dass ihr uns hier nicht unbedingt haben wollt. So geht Diskriminierung heute! Also ab auf’s Zimmer, die letzten Bierreserven vernichtet, Pizza bestellt und früh ins Bett. Tino, der Tausendsassa hat dem Barkeeper dann doch noch zwei Bier rausgeleiert. Aber zu dem Preis?! Dann lieber nix zu Weihnachten! Morgen wird das alles wieder anders. Versprochen!
Bild 1: Ein gutes Wellness-Abendessen. Bild 2: Der Lac Du Bourget. Bild 3: Der Pete macht Wellness. Bild 4: Genug von Wellness! Weg hier!
29.04.2026 Lyon – Toten Chaos
Also wenn ich das richtig mitgeschnitten habe, heißt das Squat hier eigentlich Total Chaos, weil aber heute die Krauts da sind, habe man das Ding kurzerhand eingedeutscht. Oder so? Na ja, muss ich jetzt nicht unbedingt verstehen und vielleicht hab ich inzwischen auch schon ’nen Tourkoller. Oder so. Ich kenn‘ ja den wohl berühmtesten Knast Deutschlands in S-Stammheim. Zwar nur von außen, aber immerhin. Das Tor dort ist aber ein verfluchter Scheiß im Vergleich zu dem vom Total Chaos… ähh, Toten Chaos hier. Schade, dass das notwendig zu sein scheint und ich weiß auch nicht, ob ich mich jetzt sicherer fühlen kann, so hinter Schloss und Riegel (gefühlt). Na gut, legen wir los. Erst mal den Scheiß durch’s Labyrinth geschleppt und dann mal Bier. Man solle hier immer schön brav alles im Technikraum wegschließen, hier könne man als Band schon auch mal beklaut werden. Dass das Lyoner Publikum (liest sich irgendwie komisch, findet ihr nicht auch?!) aber in Wahrheit das wohl ehrlichste der Welt zu sein scheint, dazu kommen wir später noch. Das Essen ist très formidable und es entstehen ein paar schöne Gespräche mit den Locals. Gefühlt erst lange rumgegammelt, soll’s dann plötzlich ganz schnell gehen und heute ohne local support spielen beide Bands, wie ich finde, ein richtig geiles Set, was die Anwesenden auch mit viel Tanz und Geschrei honorieren. Später dann scheint halt doch passiert zu sein, was irgendwie so was wie angekündigt war. Komm ich zum Merch, fehlen zwei Sachen. Na gut, passiert. Doch ohaaa, was seh‘ ich da unter der Preistafel hervorlinsen? Da hat doch tatsächlich wer fein säuberlich die zehn Tacken versteckt, die Tape und Patch eben gekostet haben. Feiner Schachzug, du Unbekannte*r! Dann möchte eine junge Dame ebenfalls gerne einen Patch, kann aber nur digital bezahlen. Ja hab hier im Betonstollen halt mal Empfang! Ich sag, nimm’s einfach mit und bezahl‘ dann, wenn du wieder Empfang hast. Non, non, monsieur! Sie besteht darauf, hochzuwtascheln, zu bezahlen, wieder runterzuwatscheln, mir dann per Sichtprüfung zu beweisen, dass überwiesen wurde und erst dann möchte sie ihren Artikel erhalten. Ich sag euch was, das sind alles ganz feine Leute hier und ich kann mir nach diesen zwei, geradezu rührenden Erfahrungen beim besten Willen nicht vorstellen, dass hier einer Band auch jemals nur ein abgeranztes Plektrum geklaut wurde?! Nicht zuletzt deshalb ist das für mich heute ein schöner, eher gemütlicher Konzertabend und auch wenn’s automatisch schon wieder spät wird, gehe ich gefühlt früh ins Bett. Merci beaucoup, Máté!
Bild 1-3: Hunde, wollt ihr ewig leben?
30.04.2026 Bern – Cafete Reitschule
Jetzt aber mal rüber zu den Eidgenoss*Innen und somit zur letzten Etappe unseres Sporttripps. Grenzübertritt: easy! Klar, mit der Sportlerkarre hier unterm Arsch ist man besser getarnt als ein Chamäleon im Farbkasten. Die machen Sport, die Jungs, also Bahn frei. Jaja, die sind ’ne ganz große Nummer im Stemmen in der Halbliterklasse. Heute Abend dann in der altbekannten, weil schon vor ziemlich einem Jahr bespielten Cafete Reitschule in Bern. Unser guter, inzwischen auch fast schon alter Kumpel Flo LeBeau macht’s wieder, da kann also nichts schiefgeh’n. So viel vorweg: wird’s auch nicht. Erst mal ein herzliches Hallo und wie geht’s, Bierchen, mega angenehmer Soundcheck, der später beim Konzi zu brechender Lautstärke führen wird, Essen bei Freunden und ab geht die Post. Vorneweg heizen This World Stands Still mit ihrer Mischung aus Melodycore und Neo-HC ein. Kann zur Zeit ja wieder ganz gut funktionieren, tut’s heute auch. Und wie schon im letzten Jahr, macht das hier zu spielen einfach irre viel Spaß und für mein persönliches Gefühl gehört die Show heute wieder mit zu den besten der ganzen Tour. Ach was sag ich! Es ist die beste! Punkt, Aus, Basta! Auch mega rührend, dass Corinne und Martin extra aus Basel angereist sind. Wollten eh wandern gehen und warum nicht mal in den Berner Alpen, wenn doch auch die Neat Mentals in der Gegend sind? Das sind echt zwei Die Hard-Fans und herzensgute Leute! Etwas stressig dann, dass kaum der letzte Ton verklungen, eigentlich schon alles im Van sein soll. Da ist halt heute noch was anderes. Irgendwas Elektronisches oder so und die Fans davon stehen schon draußen in der Schlange. Gut, kurz etwas hektisch das, aber danach dann beim Flo in der WG gibt’s ’ne gemütliche Beisammensein-Runde und ein flauschiges Schläfchen. Bern war wie auch schon letztes Jahr spitze, danke lieber Flo!
Bild 1: Bern, Switzerland Bild 2: Man fühlt sich doch wie zuhause! Bild 3: Dann ist das hier quasi vor der Haustür. Bild 4: Gute Nacht, ihr Süßies! Bild 5: Ihr uns auch! Bild 6: Was ein Schlamassel?!
01.05.2026 Chur – Tom’s Beer Box
Die Schlauen unter uns (Bitte wer??) haben ja auch gestern in Bern bewusst nicht das letzte bisschen Restpulver verschossen. Schließlich ging’s heute zu Toms Beer Box nach Chur und da ist der Name mal so was von Programm. Schöne Fahrt, schönes Wetter, so ein klein bisschen beginnende Melancholie, weil das Ganze bald ein Ende haben wird, aber dennoch voller Vorfreude auf rund 130 verschiedene Biere in den prall gefüllten Kühlschränken. Ein herber Dämpfer dann aber direkt nach Ankunft. Roger, seines Zeichens Mitbetreiber und der Schweiz bester Bierdegustierer sei im Zwangsurlaub. Auch privat werde er wohl heute nicht kommen, da er das nicht wirklich vom beruflichen trennen könne. So der Fritz, der andere gute Mann hier. Schade! Da haben wir der Noise Church schon seit Tagen von der legendären Churer Aftershowparty vom letzten Jahr vorgeschwärmt und dann fehlt der Hauptdarsteller. Schnell mal ein bis drei Bier, auf den Schreck hin. Gerne was hopfiges und regionales für mich. Jetzt halt degustiert vom Elias, des Fritzens Sohn, der sich aber beachtlicherweise innerhalb nur eines Jahres vom Parkplatzeinweiser zum Chefdegustierer hochgearbeitet zu haben scheint. Respect! Dafür gibt es aber ein anderes freudiges Wiedersehen, denn kurz vor Einsendeschluss haben sich unsere Freunde Boost Banner aus Heilbronn noch ins Line-Up eingezeckt. Erst mal ein großes Hallo und das Übliche halt. Boost Banner legen dann auch zeitig los und hauen mich mit ihrem brachialen Stonerrock auch wie erwartet ins Eck. Einziger Kritikpunkt: bei der Art von Musik wünsche ich mir ein bisschen mehr Bewegung und weniger Statik auf der Bühne. Musikalisch ist die Band aber topp! Checkt die mal aus. Noise Church und wir sind inzwischen jeweils gut eingespielt, denke ich, wenn auch aufgrund des Lifestyles der letzten paar Tage inzwischen kurz vor grenzdebil. Den Leuten aber gefällt’s, auch wenn ich es hier leider abermals mit Bedauern wahrnehmen muss, dass viele Gäste halt tatsächlich nur zum Saufen kommen und das dann gerne vor dem Laden machen und die Bands dadurch missachten. Schade so was, aber man kann halt auch niemanden zu seinem/ihrem Glück zwingen. Aftershowparty dann halt nicht so wie letztes Jahr. Auch schade, aber war ja klar, ohne den Bieranimateur Roger. Merke, Kollegen: beim nächsten Mal Bookinganfrage an Toms Beer Box unbedingt nach Rogers Zwangsurlaubsplänen fragen! Dann lümmeln wir halt noch im Innenhof von der Knastjuhe rum. Zumindest der Frank, der Tino und ich. Mittlerer knackt dazu die Notausgangstür, wobei Franco und ich uns wegen des zu erwartenden Tatütata’s fast ’nen Bierschiss in die Hose jagen. Aber hey, wir haben es hier mit ’nem Profi zu tun. War doch in Mailand schon kein Problem! Danke an Fritz und leider nicht auch an Roger!
Bild 1: Boost Banner Bild 2: Die kenn‘ wir schon! Bild 3: Lauter Bierfreunde und Bierfreundinnen! Bild 4: Boost Mentals Bild 5: ‚N Gud’n. Bild 6: Ouhhh yeahhh! Das is‘ mal ’ne Galerie, was?!
02.05.2026 Basel – Hirscheneck
Ein guter Schluss ziert alles. Never change a running system. Ja ja, die kenn‘ mer, die Sprüche! Fast schon traditionell (igitt, noch so ein doofes Wort!) schlagen wir am letzten Tourtag in Basel auf. Dieses Mal allerdings nicht in unserem Lieblings- und bester Laden der Welt, dem Quarterdeck, denn dieser fiel vor ein paar Monaten den Flammen zum Opfer. Das ist einfach nur tragisch. Schön war aber damals, wie groß die Solidarität mit beschde Mann Mitch war und noch schöner ist es, ihn heute gut gelaunt wieder zu sehen. Überhaupt Basel. Da trifft man immer mal wieder alte Freunde und Freundinnen und gute Bekannte, als da dieses Mal gewesen wären: June, Inga, Kaspar, Platti, Flo LeBeau, der sich kurzfristig noch als Opening Act reingezeckt hat und – ihr werdet es nicht glauben! – tatsächlich auch wieder Corinne und Martin, die den Wandertripp kurzfristig abgekürzt haben, um uns heute nochmal quasi zuhause sehen zu können. Das sind echte Freaks! Ja und wo dann heute, wenn nicht im Quarterdeck? Richtig! Im Hirschi, DER Schweizer Institution für Rock’n’Roll. Mittags schon gemütlich vor rumhängen und bisschen Erfrischungsgetränke bei bestem Wetter. Auch wenn’s der letzte Tag ist, besser könnte der nun wirklich nicht sein. Das einzig Doofe: unsere Bekannten und absolut empfehlenswerten lieben Menschen, die unter dem Namen Shok Güzel ihren selbstbenannten „Happy Hardcore“ zelebrieren, spielen heute ein paar Strassen weiter im Off. Doof, geradezu ärgerlich so was. Nicht nur wegen der Konkurrenz, die wir uns gegenseitig machen, sondern weil ich Shok Güzel halt schon auch ganz gerne gesehen hätte, wenn die schon mal so ums Eck spielen. Na ja, was soll’s. Entsprechend und leider nur mäßig gefüllt, geht’s dann mit Flo LeBeau gemütlich, schunkelig und akustisch in den Abend. Der Mann ist gut und spielt so einiges von seinem im Juni erscheinenden Album „Epilepsy“. Zieht’s euch auf jeden Fall rein! Dann wir und der Bühnensound ist gigantisch fett und als allerletztes i-Tüpfelchen dieses großartigen, neuntägigen Sportevents die Noise Church, die heute auch in Sachen Stageacting nochmal so alles aus sich raus holt. Insider, ihr wisst schon, was ich meine, zwinker! Aftershowparty dann noch bei diversen Kllleinstgetrrrränken und – oh, welch‘ Überraschung – Wheatus und Liquido auf Konserve, gleich nebenan in der Irrsinn Bar. Hach, was haben wir gelacht! Danke Mitch, du geiler Siach!
Bild 1: Huch! Hab‘ tatsächlich nur dieses eine Bild aus Basel gefunden?! Bild 2: Der Rest fiel wohl der Zensur zum Opfer?! Na gut, dann halt noch ein jugendfreies vom Walensee.
So, werte Leserschaft. Das war’s. Und keine Sorge, ich hab‘ das hier auch nicht für euch geschrieben. Ist also schon okay, wenn ihr es nicht bis zum Ende durchgezogen habt. Vielmehr fand ich es mit ein wenig Abstand zur Neat Noises Tour 2026 für mich selbst nochmal so richtig schön, mir für diesen Artikel die Erinnerungen daran aus der Hirnrinde zu kramen. Ich denke, letztlich ist es das, was bleibt: Erinnerungen an eine schöne, geile, lustige, feuchtfröhliche, manchmal auch fast schon zu aufregende Zeit, die ich mit meinen Freunden Franco, Flo, Pete, Martin, Oli und Tino und all den lieben Menschen, denen wir begegnet sind, teilen durfte. In diesem Sinne: Danke an euch und gerne wieder!

