Zu Northcote muss ich ein bisschen ausholen – und zwar 10 Jahre zurück ins Jahr 2016. 2016 spielte Northcote zusammen mit Matze Rossi und Jon Snodgrass die Acoustic Tour. Meine Frau und ich besuchten das Konzert im altehrwürdigen Leipziger Conne Island. Allerdings habe ich von dem Konzert keinerlei Erinnerungen. Deswegen kann ich dazu nichts mehr beitragen. Ich weiß aber, dass es ein wunderbares Konzert war und die drei Herrschaften auch zusammen die Bühne teilten und verschiedenste Songs zum Besten gaben. Bis ich auf den Trichter kam, dass ich Northcote mal live sah, kam ich erst, als die Platte zum ersten Mal auf dem Plattenspieler lag.
Mit To Cherish veröffentlicht Northcote, eigentlich heißt der kanadische Singer-Songwriters Matt Goud, ein Album, das einerseits kraftvoll ist, aber auch eine verletzliche Seite von Matt zeigt. Wer Goud bereits von früheren Veröffentlichungen kennt, findet viele vertraute Elemente: seine raue, warme Stimme, die ehrlichen Texte und diese besondere Fähigkeit, alltägliche Gefühle so mitreißend in seinen Songs einzubinden. Gleichzeitig klingt To Cherish wie ein bewusst gesetzter Neuanfang.
Musikalisch setzt das Album stark auf akustische Gitarren, das markante Fingerpicking und einen selbstbewussten Rhythmus. Produzent Jesse Gander gelingt es dabei, den Songs eine gewisse Frische zu verleihen, ohne den bekannten Charakter von Northcote zu verlieren. Die Aufnahmen transportieren genau das, was die Fans von seinen Konzerten kennen. Kein Wunder, denn das Album wurde stark von den Duo-Tourneen der vergangenen Jahre geprägt.
Inhaltlich beschäftigt sich To Cherish mit dem Ende einer Beziehung, mit Verlust, Reue und dem schwierigen Prozess des Loslassens. Dabei verfällt Matt Goud jedoch nie in Selbstmitleid. Stattdessen blickt er reflektiert auf die eigenen Erfahrungen und findet zwischen Schmerz und Hoffnung immer wieder Momente, die Mut machen. Gerade diese Mischung aus Ehrlichkeit und Zuversicht macht viele der Songs so zugänglich.
Besonders hervorzuheben ist die bereits vorab veröffentlichte Single Got Away, die einen guten Eindruck von der emotionalen Bandbreite des Albums vermittelt. Noch eindringlicher wirkt allerdings „Cut Me In Two“. Der Song bricht bewusst mit dem sonst eher entschlossenen Klangbild der Platte. Mit seinem Gitarrenspiel und seiner eher verletzlichen Gesangsperformance gehört er zu den intimsten Momenten des Albums. Goud beschreibt in Got Away die widersprüchliche Erfahrung, dass manche schmerzhaften Erlebnisse erst im Nachhinein einen Sinn ergeben können – oder eben auch nicht.
Auch Songs wie Tangled Strings oder Cherish the Way zeigen die Stärke von Northcote. Sie verbinden persönliches Songwriting mit einer Energie, die man sich sofort auf einer kleinen Clubbühne vorstellen kann. Dabei gelingt dem Album ein schöner Spagat zwischen nachdenklichen Texten und musikalischer Dynamik.
Matt Goud wird aufgrund seiner stilistischen Nähe zu Künstlern wie Brian Fallon, Frank Turner oder Chuck Ragan häufig mit diesen verglichen. Das mag einerseits nachvollziehbar sein, andererseits wird dabei oft übersehen, dass Northcote längst eine eigene Identität entwickelt hat. To Cherish unterstreicht genau das eindrucksvoll.
Im Endergebnis ist To Cherish ein sehr persönliches, ehrliches und zugleich hoffnungsvolles Album geworden. Wer handgemachte Singer-Songwriter-Musik mit Herz, Charakter und emotionaler Tiefe schätzt, der*dem sei dieses Album dringend empfohlen!
Das Album gibt es unter anderem bei Merchcowboy über folgenden Link:
NORTHCOTE – TO CHERISH – Merchcowboy oder direkt bei JPC über folgenden Link:
NORTHCOTE – TO CHERISH – JPC
Im Folgenden die kommenden Termine im deutschsprachigen Raum:
07.10.2026 – Cologne, DE – Gebäude 9
09.10.2026 – Münster, DE – Skaters Palace Cafe
10.10.2026 – Hamburg, DE – Betty
11.10.2026 – Berlin, DE – Privatclub
12.10.2026 – Munich, DE – Backstage Club
13.10.2026 – Zurich, CH – Hafenkneipe
14.10.2026 – Koblenz, DE – Circus Maximus
15.10.2026 – Leipzig, DE – Naumanns
Viel Spaß beim Hören und Entdecken!

