Ein Album auf einer 7 Inch, das gibt es auch nicht alle Tage! Die Hamburger HC-Synth-Dark-Punk-Combo Night Punch (Ex-Death Canyons, Ex-Dead Novelettes, Ex-Melting Palms), aber macht das wohl so. Acht Tracks haben sie auf die kleine schwarze Scheibe gequetscht – ob das wohl der Soundqualität einen Abbruch tut? Werden wir sehen, jedenfalls habe ich diese „wie viele Songs sollte man max. auf eine 7“ packen“ Diskussion schon sehr häufig gehört – ohne klares Ergebnis. Erstmal soll es aber ja um die musikalische Qualität gehen. Ich kannte die Band vorher noch nicht und bin gespannt.
Das Intro ist wohl der Dark-Synth-Teil des Albums … trägt schwer vor sich hin und ja, ist düster. Dann geht’s aber direkt ganz ordentlich los, da ist für mich persönlich von Dark-Synth oder sowas nicht viel zu hören. Aber gut, eventuell haben Night Punch und ich da auch verschiedene Vorstellungen von bzw. ich überhaupt keine Ahnung was das eigentlich ist dieses „Dark-Synth-Punk“. Das soll der Musik an sich aber überhaupt keinen Abbruch tun. Die ballert gut los und auch durch. Hat jetzt mit dem Intro gar nicht mal mehr so viel zu tun. Alles kommt soundtechnisch etwas „gedämpft“ daher – nicht was die Mucke/Instrumente angeht, sondern eher vom Mix – das meinte ich mit der Frage, wie es wohl soundtechnisch ist wenn man 8 Songs auf ´ne 7″ packt. Keine Ahnung, aber weniger Platz bedeutet in meiner Logik mehr Kompression und mehr Kompression weniger Qualität – aber auch hier: Das gehört, vermute ich, zum Gesamtkonzept von Night Punch. Also ist dann vermutlich das der „Dark-Synth-Punk“ Part? Jesses, wie mich solche Genre-Beschreibungen immer verwirren. Ich suche und suche dann immer nach Anhaltspunkten obwohl es doch eigentlich ganz egal ist, wie das denn nun heißt, solange es mir gefällt. Und das tut es.
Ich muss jedenfalls an frühe Dean Dirg oder S.G.A.T.V. gemischt mit einer Prise SUCK denken aber mit weniger Synthies bzw. Sind diese hier deutlich mehr im Hintergrund unterwegs als bei den zuvor genannten. Ich finde die Mischung jedenfalls sehr interessant, egal ob bei Goth, Punk, Hardcore, Garage und Wave, wird hier und da genommen, worauf die Hamburger Lust haben. Das wird dann alles in den Proberaum-Thermomix geschmissen und dann schaut man eben was rauskommt.
Stimmlich oder gesangs-technisch finde ich Night Punch auch sehr interessant, hat schon leichte Goth-Anleihen würde ich sagen. Außerdem ist auch der Gesang mit ordentlich Distorsion überzogen oder aber es wird durch so’n olles Ost-Mikro aus den 70ern gesungen. Ist jedenfalls mal was anderes, was hier stimmlich geboten wird.
Wie dem auch sei, musikalisch gefällt mir das, was die 5 Hamburger da machen – schön abwechslungsreich, gerade ruhige Parts und dann wieder recht rüpelhaftes Geprügel wechseln sich hier schön ab. Der Bass drückt ordentlich in den ruhigeren Parts, in denen er alleine oder unterstützt durch den anderen Rhythmusgeber am Schlagzeug den Takt vorgibt. Das zusammen mit dem mal dreckigen und dann wieder Goth-getränkten Gesang durchs olle Ost-Mikro gehen sehr gut zusammen.
Wer sowohl HC als auch Dark-Punk (Verstehe diese Genre-Dinger immer noch nicht…) gut findet, sollte hier allemal ein Ohr drauf werfen.
Die Platte selbst ist einfach gehalten, schwarze 7″ in Umschlagpapier in Schutzhülle und gut ist das. Reicht ja eigentlich auch. Und passt wiederum auch irgendwie ins Konzept. Das Cover verbindet die HC- und Dark-Synth-Idee jedenfalls sehr treffsicher. Und auch wenn man sich im großen Internet mit der Band beschäftigt und sich die Jungs mal anschaut, passen sowohl die Musik, das Cover und die Attitude der Bandbilder sehr schön zusammen!
Achso ja, erschienen ist das Teil schon vor einiger Zeit (entschuldigt die Verspätung!) auf It´s Eleven Records aus Chemnitz – da kann man das Ding auch bestellen oder aber HIER direkt bei der Band.
