Hoppla, die schreiben aber das „Pschychedelic“ groß, das im Promozettel vom verantwortlichen Label Off Label Records angekündigt wurde. Was rauchen die denn für Weihrauch im Dom, so zumindest mein erster Gedanke, als die neue 4-Track-EP „Getaway“ des Kölner Quartetts The Outcrowd anfängt zu rotieren. Hätte man aber auch gleich drauf kommen können, so als semiprofessioneller Vinylbeschreiberling. Vier Songs auf 12 Inch? Das Ding muss doch auf 45rpm (durch)drehen, auch wenn’s nicht auf dem Label vermerkt ist.
Also schnell den Riemen umgelegt und höre da, das klingt doch schon viel schmissiger! Jetzt kommen auch die anderen Attribute schon weitaus besser zur Geltung, als da wären „Garage“, „Soul“ und „Punk“ und dass The Outcrowd „direkt aus dem Schoß der Kölner Sixties-Untergrundszene stammt…“, das hört man auch, wenn man nur semiprofessionell mit Musik zu tun hat, sofern man aus der Ferne auch den Glauben an einen Kölner Untergrund schenkt.
Die Orgel von Matthias Pons, die hat hier was zu sagen. Das wird direkt klar, wenn man den flotten Opener und Titelsong „Getaway“ anhört. Absolut tanzbar und ich ertappe mich das erste Mal im Leben dabei, dass ich tatsächlich „Luftorgel“ spiele. Und erneut ein „Hoppla“: ist Dead Moons Fred Cole auferstanden (was sehr schön wäre, aber selbst im wundersamen Köln unmöglich ist)? Jedenfalls hat die Stimme des Schlagzeug spielenden Sängers Daniel Neubauer – und auch ein Stück weit die Art, damit umzugehen – verblüffende Ähnlichkeit mit der der Garagenlegende Cole.
Trommeln kann er auch sehr gut, wie ich finde für dieses Genre überaus punktgenau und mit viel Punch. Das treibt die Songs von The Outcrowd ungemein nach vorn – und macht sie noch tanzbarer. Die müssen unbedingt in Tübingens Münzgasse spielen (falls noch nicht geschehen und an mir vorbeigegangen?). Ein Spezialistenort für genau diesen Sixties-Garage-Sound und ich spüre das Kondenswasser förmlich auf meiner Haut.
Was sicherlich auch zum treibenden Element von The Outcrowd beiträgt, ist der relativ stoische Bass, gespielt von Richard Axelsson. Dieser versteht es perfekt, sich in den richtigen Momenten dezent zurückzuhalten, einfach mal den zu Ton halten und den Rhythmus vorzugeben, wie z.B. in „Flashback Kickback“. An anderen Stellen bricht er aus und tut das, was man in diesem Genre so tut, nämlich viele Töne spielen. Und Läufe.
Bleibt noch die Gitarre, gespielt von Daniel Hienert. Die drängt sich nie in den Vordergrund. Nüchtern betrachtet, macht sie ihren Job; dieser ist aber natürlich immens wichtig. Im finalen „Go Away“ bekommt sie dann verdientermaßen, quasi als Belohnung, mehr Raum und ich mach‘ jede Wette, der Daniel hatte ’ne Sonnenbrille auf, als er das Solo eingespielt hat. Saucooles, weil stilsicheres Gitarrenspiel.
Jau Leute! Tolle vier Songs, irgendwo zwischen der Altertümlichkeit von The Sonics, dem Trash der Dirtbombs, der Coolness der Murder City Devils und der Moderne in diesem Genre von The (International) Noise Conspiracy. Nächstes Mal bitte einen vollwertigen Longplayer, liebe Outcrowd, ansonsten gibt’s keinen Grund zu meckern und wie gesagt, klopft mal in der Münzgasse an. Ihr anderen: holt euch euer Exemplar bei Off Label Records.
