Kennt ihr das, wenn man, gerade jetzt im herbstlichen Gewand, in einem dunklen Wald steht und plötzlich raschelt es? Man weiß nicht, ob es ein Fuchs ist, ein Geist oder nur der eigene Puls. Genau in diesem Zustand hält einen „VOS“ die ganze Zeit. Und das ist schon als Kompliment zu sehen. Warum? Grund folgt, denn …
Hinter Vrouw! stecken fünf Musikerinnen aus fünf Ländern, die sich in Berlin zusammengerottet haben und dort miteinander musizieren. Seit 2019 basteln sie an einem Sound, den man wohl am ehesten „Avantgarde-Punk trifft Noise trifft Ambient“ nennen kann. Wer jetzt denkt „Puh, kompliziert“: keine Sorge, man braucht kein Vorwissen. Man braucht nur Lust, sich mal nicht sofort zu fragen, wo hier der Refrain steckt und was dieses ganze musikalische Gebräu hier soll.
Der Name ist übrigens schon der erste Gag: „Vrouw“ heißt auf Niederländisch „Frau“, „Vos“ heißt „Fuchs“. Und der Fuchs ist auf dem Album tatsächlich Programm. Laut Label wacht ein Fuchsgeist über die Aufnahmen. Man hört ihn nicht direkt, aber man spürt ihn: als leises Grinsen im Hintergrund, als Schatten, der mal kurz durch die Stimmen huscht.
Die Vrouw-Stücke stammen aus improvisierten Sessions, die die Band dann handverlesen ausgewählt hat. Es klingt also nicht wie ein perfekt geschliffenes Studioprodukt, sondern wie ein Blick in ein Zimmer, in dem gerade wirklich etwas passiert. Es wird gesungen, geflüstert, gerufen, in mehreren Sprachen. Dazu kommen ein Bass, der alles zusammenhält, Schlagzeug, Keyboards und selbstgebaute Synthesizer. Bei Konzerten benutzt die Band außerdem ihre berühmten Mikrofonhüte, also Hüte mit eingebautem Mikro. Ja, wirklich. Ein Kritiker meinte, hinter dem scheinbar Zufälligen stecke sehr genaues Zuhören, und das glaubt man sofort: Hier reden fünf Leute gleichzeitig, aber sie fallen sich nie ins Wort.
Ehrlich gesagt ist „VOS“ nichts für die Autofahrt zum Supermarkt. Es ist eher ein Album für den Abend, mit Kopfhörern, wenn das Handy mal weggelegt wird. Dann entfaltet sich diese rauschhafte, manchmal düstere, manchmal überraschend verspielte Stimmung. Mal knistert es, mal schwebt es, mal drückt es ordentlich nach vorn. Man weiß nie genau, was im nächsten Moment kommt, und genau das macht den Reiz aus.
Was mir besonders gefällt: Das Ganze wirkt trotz aller Experimentierfreude nicht verkopft. Da ist Wärme drin, Humor und eine Haltung, die man auch ohne Musikstudium versteht. Hier musiziert ein Kollektiv ohne Chefin, dafür mit viel Vertrauen.
„VOS“ ist ein wilder, eigenwilliger Trip für alle, die Musik gerne mal ohne Landkarte entdecken. Wer neugierig ist, sollte den Fuchs ruhig mal ins Ohr lassen. Er beißt nicht. Meistens.
Zu erwerben ist das Album über Bandcamp über den folgenden Link:
VROUW! – VOS

