Hier kommt die dritte und angekündigermaßen letzte Ausgabe des „Boys Club Only“ Fanzine. Mein Keks-Kollege Felix Frantic berichtete 2022 hier über die Ausgabe #1, die relativ viel Aufmerksamkeit erlangte und schon vergriffen ist, soweit ich weiß.
Erschienen ist die heiß ersehnte Nummer Drei dagegen nahezu geräuschlos nach langer Wartezeit im Februar 2026. Sie bündelt eine Reihe von hochkarätigen Beiträgen unter dem Stichwort „Community“, die sich im Laufe der Jahre 2022 bis 2023 angesammelt haben. Dies ist also eine Rückschau in die Vergangenheit, die dennoch sehr aktuell ist. Leider, bei manchen Themen, wie ich sagen muss.
Herausgeberin Sam hat sich für diese Ausgabe wieder viel Zeit genommen und Mühe gemacht, eine liebevolle und hochwertige Ausgabe im Sinne eines Rundbriefes für FreundInnen zu gestalten auf Knapp 150 Seiten.
Die Beiträge sind von vielen unterschiedlichen Autorinnen und Künstlerinnen erstellt. Wir finden hier eine breite Palette an Interviews, Essays, Poetry sowie Fotografien, Illustrationen, Comics und Collagen. Alles zusammengestellt und gedruckt in Farbe mit der üblichen Tendenz zur Perfektion, die ich schon in den letzten beiden Exemplaren bemerkt habe.
Ziemlich am Anfang kommt schon ein Essay von Faulenza auf mit der Überschrift „Punk und ich“. Hier beschreibt „Fauli“ die persönliche Beziehung zum queerfeminsitischen Punk aber auch Diskriminierung und männliche Dominanz in der Punkszene.
Weiter geht’s nach einer Anleitung zum Screaming von Andrzes zu einem Interview mit Oyémi von Decolonize Berlin. Hier erfährst du, was Decolonize ist und welche Bands sie empfiehlt und wie du Decolonize Supporten kannst.
Danach findest du einen Artikel über Bisexualität in Popmusik von Julia Koschler, und die Bearbeitung der Frage „Was Fuckabilty mit der Musikwelt zu hat?“ von Chris Trasher.
Eine Auseinandersetzung in Reimen mit Schönheitsidealen gibt’s von mir, Arnica Montana, zu lesen mit dem Titel „Optimal“. Hierzu haben wir eigentlich die Illustration „Diversity is endless“ von Nmartahlie eingereicht, die aber weiter vorne im Heft platziert wurde. Dafür gibt es neben meinen Reimen einen Jam-Aufruf von Jeri von der feministischen Music Agency Fauchkrampf.
Als nächstes folgt ein super Beitrag von Fotografin Sarah Dussa über die Perspektive hinter ihrer Kamera mit einer Triggerwarnung zu Gewalt, und toxischer Beziehung. Dazu gibt’s auch ein paar Fotos mit Hauptfarbe Lila zum Thema „Gender is a social construct“.
Ein Essay auf Englisch von Fulden She-Demon mit dem Titel „Surviving and thriving in the boys club that we call the punk scene“, das sich kritisch mit der Diskriminierung im Musikbereich auseinandersetzt.
Dann gibt’s noch ein Interview mit Lisa Bouvier von RIØT, feministischer Punk aus Bielefeld.
Eine Feature über Kill Her First, der Band von Female Fronted is Not A Genre Festival Initiatorin Gero Crocianelli gibt’s hier auch. Ich berichtete über das Festival beim Vinylkeks.
Ein ausführliches Essay über fangirling von Leo und ein Beitrag von der Macherin EM aka Star Creature zum englisch-sprachigen Riot Grrrl Zine folgen.
Claim your Space ist Lindas Beschreibung vom Kampf, den FLINTA manchmal führen beim Musikmachen, über Man-Splaining und den Gedanken, sich sowas nicht mehr gefallen zu lassen.
Ein Interview mit Jassin Gharib aus dem Metalcore-Emo-Screamo Umfeld, über Safe Spaces und BIPoC Szene Richtung UK und US.
Die Poetry auf englisch von Itza „I hate what you do“ lockert alles ein bisschen auf.
Dann folgt ein ausführlicher Artikel zum Thema „Finding Girlhood“ folgt von BCO Macherin Sam. Es ist die ganz persönliche Geschichte von ihr, die letztlich im Kernzitat lautet: „…über den eigenen Schatten springen und anderen FLINTA* die Hände reichen“. (Ihr selbstbetitelter größter Hippie-Vibe-Satz)
So, jetzt bin ich grad bei der Hälfte des reich gespickten Zines angekommen und überlege, ob ich weiter so straight alle Inhalte abarbeite? Ja, tue ich! Weil ich denke, es sind schon einige ungewöhnliche Artikel dabei, die hier Sichtbarkeit bekommen und Interesse wecken können. Wer weiß…
Also weiter geht’s mit einem längeren Text mit Comic von Autorin und Musikerin Ellen Dammerau, der den Titel trägt: „Was würde Jonas tun?“. Es ist ein Erklärungsversuch, auf ihre Frage „Warum haben fast alle FLINTA*-Personen die gleichen, schmerzhaften Versagensängste und ihre männlichen Kollegen nicht – oder anders?“
Lisa Molotova schreibt ein Essay zum Labeling Female Fronted mit der Ansage: „Being a woman doesn’t make you a feminist.“ Darauf folgt die Bitte, aktiv zu werden.
Als nächste gibt es wieder ein Interview mit der Band Nein Danke.
Ein Schulterblick von von Autorin, Journalisten und feministische Speakerin Diana Ringelsiep trägt den Titel „Dreieinhalb Jahre Revolte im Punker-Patriarchat“: Sie war auch schon im ersten BCO mit einem Artikel vertreten und hat unter anderem das Buch Punk As F*Ck beim Ventilverlag mit herausgegeben, macht den Podcast „Krawalle & Liebe“ oder führt die Kolumne „Mein Leben mit Migräne“.
Anschließend geht es weiter mit einem Interview mit Illustratorin Samara Thomas , deren Artwork viel auf Merch-Tischen und Plattenläden zu finden ist.
Dem folgt ein Interview mit DJ Jenny Sharp , zum Thema FLINTA*-Quote und ihre ganz persönlichen Erfahrungen in einer Männerdomäne.
Die letzten 40 Seiten sind ein visueller Kick mit Fotografien, Illustrationen, Comics und Collagen von Caroline Harder, Marie, ClaraSam, Uterzine , Joanna Rader, Anna Roschker, L.Y. Monster, Lauren und Irina Tall Novikova.
Wer bei bestimmten Begriffen abschnallt kann sich am Ende im Glossar schlau machen. Ich würde sagen, Sam hat an alles gedacht!
Das war bestimmt ein riesiger Haufen Arbeit, für den Sam sich dieses Mal Unterstützung bei Layout & Design von Freundin flexygurl geholt hat. Richtig so! Gemeinsam schaffen wir immer mehr. Sich gegenseitig helfen und unterstützen, das passt doch zum BCO Titel „Community“. Ein dickes, fettes „DANKE SAM!“ für Blut, Schweiß und Tränen folgt an dieser Stelle. <3
Insgesamt kann ich sagen, die Beiträge zeichnen in englischer und deutscher Sprache ein diverses und lebhaftes Bild über die Musikszene hinaus und werfen ein Spotlight auf die Welt außerhalb der Cis-Male Perspektive.
Wer jetzt neugierig geworden ist und sein persönliches Exemplar bestellen möchte, kann dies tun gegen einen kleinen Unkostenbeitrag mit einer Mail an: boysclunonlyzine@gmail.com
P.S.: Noch ein Nachwort zu den Verlinkungen. Viele halten Instagram für eine öffentliche Plattform. Dem widerspreche ich. Ohne vorherige Anmeldung, mit Einwilligung zur Datennutzung für Werbezwecke (kostenfreier Account) oder monatlichen Kosten von knapp 8,00€, ist diese Plattform nach kurzem Teaser gesperrt. Ich verlinke daher nur öffentlich frei zugängliche Quellen wie Homepages, öffentliche Mastodon-Accounts, Bandcamp-Profile etc. Da Boys Club Zine und andere auschließlich ihre Instagramadresse im vorliegenden Fanzine geteilt haben, fehlen hier die Links, sofern es sonst keine öffentlichen Referenzen gibt. So ihr Mitglied im Instagram-Club seid, sucht euch die Profile bei Interesse bitte selbst raus.

